De-Boschd!

Ha! Ha!! Ha!!!

Ich erspare mir an dieser Stelle gehässige kritische Anmerkungen über die Merkgeschwindigkeit deutscher Behörden – zumal diese Anmerkungen nur sehr teilweise gerechtfertigt wären, weil es im Folgenden nicht um eine technische Bewertung geht, sondern die umfassende Einschätzung eines mittel- bis ganz schweren Desasters.

Was ist passiert?

Vor ein paar Stunden las ich mit zunehmender Begeisterung auf heise.de: „Ziele gänzlich verfehlt“: Bundesrechnungshof rügt De-Mail-Fiasko – und verspürte, was vergleichsweise selten geschieht, echte Dankbarkeit für die Arbeit des Bundesrechnungshofes und seine Kritik am BMI (derzeit noch geführt von Horst „Horst“ Seehofer, davor aber auch von anderen IT-Fachleuten wie Hans-Peter Friedrich und Thomas de Maizière):

Das BMI ist gescheitert, De-Mail als elektronisches Pendant zur Briefpost in der Bundesverwaltung zu etablieren.

Jahresbericht 2021 des Bundesrechnungshofes (PDF)

Eine oberste Bundesbehörde schlägt auf ein totes Pferd ein – damit ist der Tod des Pferdes ja wohl endlich, amtlich und überhaupt bestätigt.

Anders als ich, der das De-Saster seit 2011 vor allem unter technischen Gesichtspunkten ver- beurteilt hatte (Hallo Obrigkeit, De-PGP), ohne dabei den damit einhergehenden Klamauk zu vernachlässigen (Selbst-De-Struktion eines De-Bakels, Störung der …-Ruhe), betrachtet der Bundesrechnungshof die kalten Zahlen des De-Mail-(Miss-)Erfolgs. Und die sprechen für sich.

Das BMI ging davon aus, dass in der Bundesverwaltung zwischen 2016 und 2019 etwa sechs Millionen DE-Mails verschickt würden und erhoffte sich eine Einsparung gegenüber der Briefpost von 3,5 Millionen Euro. Es kam nicht so. Laut dem Bericht hatten die Bundesbehörden im Jahr 2016 nur 250 DE-Mails empfangen und weniger als 90 selbst versandt.

netzpolitik.org: Bundesrechnungshof rügt Innenministerium für De-Mail

90 De-Mails verschickt, in einem Jahr. Und ich wundere mich, dass in meinem trotz allem (man muss ja alles testen, oder? Oder??) angelegten De-Mail-Account in all den Jahren nicht eine Mail angekommen ist.

Nein, ich wundere mich nicht. Wirklich nicht. De-RIP.