Da gehen sie hin… (2. Teil)

Kaum zu fassen: Da (nein, da!) jammere ich ebenso prophylaktisch wie nostalgisch über den zumindest nicht völlig unwahrscheinlichen Exitus der Marke Opel, da reißt es markenpolitisch und technisch gleich nebenan einen von der Straße: Bei SAAB stehen seit heute die Montagebänder still, weil – nein, nicht weil die Subventionen aus Stockholm ausbleiben, sondern weil der schwedische Zoll wegen ausstehender Gebührenzahlungen kein Material mehr für SAAB mehr ins Land lässt.

Und schon bin ich wieder am Heulen, metaphorisch gesprochen. Opels (oder heißt es: Opelz? Böhse Opelz gar?) waren die Autos meiner Kindheit, Jugend und frühen Erwachsenenzeit, ein SAAB 90 begleitete mich etwas später sechs Jahre durch das Leben eines Endzwanzigers. Und was hat der SAAB mit mir – und ich mit ihm – erlebt!

Darüber schweigt der diskrete Blogger.

Aber dennoch: Bevor GM die damals profitable Firma SAAB ganz übernahm, waren SAABs tatsächlich die Individualistenautos, die sich Intellektuelle und Freiberufler in Europa und vor allem USA wünschten. Sie hatten konstruktive Besonderheiten, die mit „Macken“ zu bezeichnen auch nicht unverschämt wäre (welche SAAB-Besitzer hat nicht schadenfroh einem stellvertretenden SAAB-Fahrer fünf Minuten bei der Suche nach dem Zündschloss zugesehen?) – und sie waren doch zuverlässig, immer so etwas wie eine Kreuzung zwischen einem Rennboot und einem Rentier.

Erleidet die Welt einen Verlust, wenn SAAB verschwindet? Nö. Sind ja doch nur Opels (technisch gesehen), die sich als etwas anderes ausgeben; der automobile Mythos SAAB ist längst verdampft. Und trotzdem fände ich es – wieder aus automobilhistorischer Sicht – extrem schade, wenn die Trolle in Trollhättan sich jetzt nach einem anderen Job umsehen müssten. Sollen sie etwa Möbel mit winzigen Inbus-Schlüsseln zusammenschrauben?

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