Aus gegebenem Anlass

Aus gegebenem Anlass, und bis mein Kopf wieder klar genug ist, dazu etwas frisches zu schreiben, ein Link auf einen Text, den ich in diesem Sommer geschrieben habe – und zu dem ich auch in diesem Winter stehe: „…dann haben die Terroristen gewonnen„

…dann haben die Terroristen gewonnen

Einer der dümmeren Sprüche, mit denen nach 9/11 die Angstmacher der US-Regierung Bush/Cheney ihre Landsleute von ihrer Politik zu überzeugen versuchten, war: „Wenn nicht [hier ein Ziel der Regierung einsetzen], dann haben die Terroristen gewonnen.“ Über diesen Spruch haben damals, zu Anfang des neuen Jahrtausends, vor allem die gegrinst, die der Politik von Bush/Cheney misstrauten, denn natürlich war der Spruch doppeldeutig. Wenn es hieß „Wenn wir nicht mehr in Ruhe und Frieden leben können, dann haben die Terroristen gewonnen.“, dann war es genau das, nämlich nicht mehr Ruhe und Frieden einkehren zu lassen, was die professionellen Angstmacher von Washington erreichen wollten.

Fast forward – 22. Juli 2016. Ein 18 Jahre alter Mann mit deutscher und iranischer Staatsbürgerschaft soll in München neun Menschen (und dann sich selbst) erschossen haben, legt mit seinen Taten und der darauf folgenden Lawine von Eil- und Schreckensmeldungen eine  ganze Millionenstadt für Stunden lahm. Meine Schwester meldet sich per WhatsApp, dass es ihr gut gehe und sie bei Freunden sei (und macht mich damit erst auf die Ereignisse aufmerksam, weil ich mal einen Abend lang keine Eilmeldungen hatte lesen wollen), andere Münchner melden sich via Facebook, auch über die „Ich bin sicher“-Funktion:

To whom it may concern... Statusbericht eines Münchners
To whom it may concern…

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Rituale, alt und neu

Spätes Frühstück mit Herings- und anderen Salaten – check. Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im ZDF – Check. Neujahrsskispringen – och nö, diesmal nicht. Lieber was ins Blog schreiben.

Der 1. Januar ist für ein Gewohnheitstier wie mich ein Tag der Rituale, unverändert oder abgewandelt. Das Neujahrskonzert ist seit fünfzig Jahren fester Neujahrs-Bestandteil dank meiner musischen Mutter. Das Neujahrsskispringen hat mein eher sportlicher Vater in den Kanon eingetragen; aus irgendeinem Grund hat die Attraktion aber nachgelassen – vielleicht, weil Springen und Übertragung inzwischen technisch perfekt sind? Die Salate waren vor vierzig Jahren noch selber gemacht, und die Hauptrolle spielte ein Rindfleischsalat nach eigenem Rezept (mit Eiern und Walnüssen, wenn ich mich richtig erinnere). Diesmal waren sie vom Delikatessendealer. Und auch das mit der Familie, die sich vorm Fernseher versammelt, ist unterschiedlich: Wenn Kinder im richtigen Alter, dann Familie. Wenn Kinder aus dem Haus oder beim Skifahren, dann eher nicht.

Soweit die Neujahrsrituale der alten Art.

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Zen im Bus

Lieber unbekannter Busfahrer, der mich während des Bahnstreiks letzte Woche mit dem M48 um 7:49 von zuhause zum Alexanderplatz gefahren hat, einen komplett überfüllten Bus durch die dito Potsdamer navigierte, beide Male anderthalb mal so lang brauchte, wie der Fahrplan es vorschrieb, und dabei eine bemerkenswerte Seelenruhe bewahrte… „Morjn, liebe Fahrjäste, icke mal wieda. Also, … Weiterlesen

Once upon a time in Manhattan

Ich bin – als berufsmäßiger Streiter für Urheber- und Verwendungsrechte – ja immer zurückhaltend damit, fremde (Video-)Inhalte auf diesen Seiten einzubinden. So zurückhaltend müsste ich aber gar nicht sein, wie mich der Zuständige bei meinem Arbeitgeber in einem dienstlichen Zusammenhang erinnerte. Nach einer Entscheidung des EuGH vom Oktober 2914 dürfen YouTube-Videos in Online-Artikel eingebunden werden, … Weiterlesen

Scheiss Technik

Dinge, die ich heute als einer von (nach Veranstalterangaben) 20.000 Teilnehmern der „Freiheit statt Angst 2013“ gelernt habe: Mit 55 und auch einige Jahre nach einer erfolgreichen Meniskus-Operation ist gemeinschaftliches Rumstehen und Durch-die-Straßen-Schlurfen nicht mehr so einfach wie mit 25. Ach. Note to self: Mehr spazierengehen. Wer sich mit 20.000 gleichgesinnten Handynutzern die selben zwei … Weiterlesen

eMachine

BMW ActiveE
BMW ActiveE

Sieht aus wie ein BMW, trägt vorne, hinten, innen BMW-Logos, heißt BMW ActiveE, fährt sich, soweit ich das mit meiner beschränkten Erfahrungen als BMW-Fahrer beurteilen kann, wie ein BMW – und ist doch ganz anders.

Seit über einem Jahr beschäftige ich mich mit dem Gedanken, ohne Autobesitz durchs Leben zu fahren (ich berichtete). Seit einigen Monate ist es eine Tatsache: Isch ‚abe gar keine Auto (mehr), fahre überwiegend öffentlich, und wenn nicht, dann eben mit einem Wagen der Firmen DriveNow oder car2go, die in den Gegenden Berlins, in denen ich mich so herumtreibe, praktischerweise meist in Fußmarschweite abgestellt darauf warten, dass ich sie via Smartphone-App buche, mittels Chipkarte öffne und starte und mich dann genau so lange als Autofahrer fühlen kann und darf, wie ich das Ding tatsächlich fahre. Tanken, waschen, TÜV, Reparaturen – mit all dem Kram schlägt sich ein Carsharing-Kunde nicht rum, ist im Preis inbegriffen.

Heute nun… War ich so am Savigny-Platz, hatte keine Lust, den Weg nach Hause in vollen Zügen™ zu genießen, gucke auf meine Funkbläke und sehe, dass keine 100m weiter ein DriveNow-Auto auf mich wartet. Ein elektrisches DriveNow-Auto. Staun.

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Gotham

In Empfehlenswerten Gegenden™ habe ich mich gerne und, wenn’s ging, oft aufgehalten. Und warum soll ich davon hier nicht erzählen? Eben.

Aber nicht doch – er wird uns doch jetzt nicht ausgerechnet die Stadt empfehlen, in die sowieso schon jeder fährt, der nicht unter Flugangst oder Antiamerikanismus leidet?

Doch, wird er. Denn irgendwann zwischen 2000 und 2003 war es, dass meine Tante, eine echte New Yorkerin (geboren in München, wo sonst?) und ihr zweiter Mann in der Tür ihres Apartments standen, um mich nach einem Besuch zu verabschieden, und sie sagte: „Wir wollen, dass Du das hier als Dein zweites Zuhause ansiehst.“

Gotham at Night
Gotham at Night

1938 war meine Tante von Bord des italienischen Schiffes Saturnia gegangen, mit nicht viel mehr als einem Arbeitsvisum, einem Arbeitsvertrag und einer Handvoll Dollar™ in der Tasche. Hier hatte sie ihren ersten Mann kennengelernt, hier hatte sie mit ihm eine Familie gegründet, von hier ist sie nicht mehr weggezogen. Und diese New Yorkerin sagt mir, ich soll mich hier zuhause fühlen? You bet.

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Statusmitteilung

Der Tapetenwechsel ist vollzogen. Und alles, was der vernetzte Mensch braucht, ist da (v.l.n.r.: Fernseher, Telefon, Internet). Jetzt können die Restmöbel kommen. Morgen. Der Maler, den ich via my-hammer.de gefunden hatte (siehe oben verlinkte Story) hat gut und schnell ent- und retapeziert und alles mit weißer Farbe zugedeckt. Fünf-Sterne-Bewertung und so. Und auch das mit … Weiterlesen