I Want a New Duck

New ducks (Symbolbild)
New Ducks (Symbolbild)

Große Abweichung vom eigentlichen Thema, noch bevor der Beitrag überhaupt angefangen hat: Vor vielen, vielen Jahren gab es eine Band mit dem Namen Huey Lewis & the News. Diese Band hatte einen Hit mit „I Want a New Drug“ und einen Prozesserfolg, als ein Richter urteilte, der Titelsong zum ersten Ghostbusters-Film sei ein Plagiat davon. Kein Plagiat, sondern eine Parodie war „I Want a New Duck“ von „Weird Al“ Yankovic. Und obwohl ich gestern zum x-ten Mal in einer SEO-Schulung gelernt habe, dass man Google zuliebe sowohl den Titel wie auch die ersten Zeilen eines Online-Artikels mit themenrelevanten Schlagworten nur so zuballern soll, schreibe ich lieber solchen Schmonzes über neue Enten.

Denn natürlich sind mir Enten wurscht. Was wir brauchen, mehr denn je, ist eine neue Politik. Das ist nicht nur meine Erkenntnis nach dem Schock vom letzten Mittwochmorgen, als die Welt überrascht feststellen musste, dass die USA entweder mehrheitlich von Idioten bewohnt wird, oder dass sie eben nicht von Idioten bewohnt wird, sondern von Menschen, die mit der bisher praktizierten Politik so wenig anfangen können, dass sie mit Hilfe des antiquierten Wahlsystems der USA lieber Donald Trump zum Präsidenten wählen als irgendjemand, der von Politik eine Ahnung hat, weil er in der Vergangenheit tatsächlich Politik gemacht hat.

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Der Präsident und die Meinungsfreiheit

Den Tag damit begonnen, eine Nachricht an 60,086,008 US-Amerikaner zu schreiben: Dear Trump voters, don't you think a President-elect wining about free speech is just embarrassing? Well, you voted for him. https://t.co/StCTOrQAuL — Konstantin Klein (@konstantinklein) November 11, 2016 (Ja doch, „whining“ schreibt sich mit h. Aber Tweets lassen sich nachträglich nicht bearbeiten. Und das ist … Weiterlesen

Beyond Trump

The Donald und Dennis Rodman
The Donald und Dennis Rodman (Photo: OpenSportsLizenz)

Am Montagabend legte ich mich mit Schüttelfrost und 38° Fieber ins Bett, und vieles, was ich seitdem gedacht und gesehen habe, kann ich diesem Fieber, das immer noch andauert, zuschreiben.

Leider nicht alles.

Nun ist also Donald J. Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden, und wir, das ist: die ganze Welt, haben uns darauf einzurichten. Dabei ist es ja nicht so, dass die wahlberechtigten Amerikaner sich noch nie für einen Kandidaten (komischerweise waren es immer Republikaner) entschieden hätten, bei dem der Rest der Welt™ nicht entsetzt aufgestöhnt hätte aufgrund der offen zu Tage liegenden Ungeeignetheit dieses Kandidaten. In den letzten 36 Jahren gab es zwei davon (George H. Bush, auch „Bush der Ältere“ genannt, nehme ich mal davon aus, da er intellektuell seinen Vorgänger und einstweiligen Chef und seinen Sohn in den Schatten stellt – dafür hatte er einen minderbemittelten Vize), und die Welt incl. der Vereinigten Staaten hat beide, Ronald Reagan und George W. Bush überlebt.

Wenn wir uns die beiden einmal ansehen, fallen uns ein paar Eigenschaften auf:

  • Beide galten für das Amt in Washington als ausgesprochen unqualifiziert. Reagan war zwar eine Zeitlang Chef einer (konservativen) Schauspielergewerkschaft und Gouverneur von Kalifornien, aber zumindest letzteres war Arnold Schwarzenegger auch. George Bush II. dagegen war vor allem als Chef pleitegegangener Öl-Unternehmen aufgefallen (Öl! Pleite!! In Texas!!!).
  • Beide zeigten während ihrer jeweils achtjährigen Amtszeit wenig Begeisterung für Arbeit im Allgemeinen und die mühseligen Details ihrer Aufgabe (Anführer der freien Welt oder so) im Besonderen.
  • Beide umgaben sich daher mit Beratern, die ihre Politik bestimmten und im Falle von Bush-Vize Dick Cheney sogar den Ruf eines Darth Vader von Washington erwarben.

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Demokratie Schtonk?

Do Not Pass On Right
Do Not Pass On Right

Nur gut, dass ich im Jahr 2012 diesem Blog (mal wieder) einen Neuanfang verordnet habe. Sonst müsste ich (und könnten alle) an dieser Stelle nachlesen, was ich in früheren Jahren an lobenden Worten für die US-amerikanische Demokratie gefunden habe.

Blow cake, wie der Amerikaner (nicht) sagt. Dabei hätte ich es besser wissen müssen – die Zeichen waren und sind klar zu sehen. 1994 hatte Newt Gingrich die Republican Revolution verkündet, seinen Contract with America veröffentlicht und seit den Kongresswahlen in diesem Jahr dem damaligen Präsidenten Bill Clinton das Regieren schwer bis unmöglich gemacht, ein idiotisches und letztlich erfolgloses Amtsenthebungsverfahren über eine idiotische Affäre mit einer Praktikantin eingeschlossen. 2000 wurde George W. Bush (eigentlich nicht) gewählt und für die nächsten acht Jahre Präsident, und damals hörte ich in republikanischen Kreisen, wie ein Republikaner zum anderen sagte, man dürfe und werde die Macht jetzt nie wieder hergeben. Dann kam trotzdem ein demokratischer Präsident, dann kam die Tea Party, und dann kam Clinton vs. Trump (kein Link weil echt nicht nötig).

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Kein Kommentar

Heute Mittag, beim Verzehr eines Ostfriesen Rinderhacksteak mit Hoppdipomm (nur echt mit dem Deppen Leerzeichen zwischen dem Ostfriesen und dem Rind), kamen meine Kollegen und ich auf ein altes Thema zu sprechen:

YouTube-Kommentare. Seufz.

Zu den Aufgaben meiner Redaktion gehört seit Jahren die Moderation der Kommentare, die YouTube-User zu den Videos meines Arbeitgebers hinterlassen. Seit Jahren predige ich jedem, der es (nicht) hören will, wie wichtig gerade für ein Medienunternehmen, das Demokratie und Meinungsfreiheit zum Markenkern zählt, die Redefreiheit in den Kommentarspalten ist. Auf den eigenen Seiten schaltet mein Arbeitgeber die Kommentarfunktion nur zu ausgewählten Themen frei; auf den (deutschen und englischen) YouTube-Seiten des Arbeitgebers habe ich immer für absolute Redefreiheit gekämpft.

Wie konnte ich nur?

YouTube sortiert vor. Zum Glück.
YouTube sortiert vor. Zum Glück.

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…dann haben die Terroristen gewonnen

Einer der dümmeren Sprüche, mit denen nach 9/11 die Angstmacher der US-Regierung Bush/Cheney ihre Landsleute von ihrer Politik zu überzeugen versuchten, war: „Wenn nicht [hier ein Ziel der Regierung einsetzen], dann haben die Terroristen gewonnen.“ Über diesen Spruch haben damals, zu Anfang des neuen Jahrtausends, vor allem die gegrinst, die der Politik von Bush/Cheney misstrauten, denn natürlich war der Spruch doppeldeutig. Wenn es hieß „Wenn wir nicht mehr in Ruhe und Frieden leben können, dann haben die Terroristen gewonnen.“, dann war es genau das, nämlich nicht mehr Ruhe und Frieden einkehren zu lassen, was die professionellen Angstmacher von Washington erreichen wollten.

Fast forward – 22. Juli 2016. Ein 18 Jahre alter Mann mit deutscher und iranischer Staatsbürgerschaft soll in München neun Menschen (und dann sich selbst) erschossen haben, legt mit seinen Taten und der darauf folgenden Lawine von Eil- und Schreckensmeldungen eine  ganze Millionenstadt für Stunden lahm. Meine Schwester meldet sich per WhatsApp, dass es ihr gut gehe und sie bei Freunden sei (und macht mich damit erst auf die Ereignisse aufmerksam, weil ich mal einen Abend lang keine Eilmeldungen hatte lesen wollen), andere Münchner melden sich via Facebook, auch über die „Ich bin sicher“-Funktion:

To whom it may concern... Statusbericht eines Münchners
To whom it may concern…

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rpTEN – re:seufz

re:publica bei der Arbeit
Der Affenfelsen: re:publica bei der Arbeit

Ich weiß nicht: Ist es die innere Grundstimmung, die die persönliche Themensetzung auch auf der rpTEN beeinflusst? Oder sind es die Themen, die die Grundstimmung in Richtung Ab-Grund drückt?

Wie auch immer: Ich habe ein seltenes Talent, dafür zu sorgen, dass sich meine ganz persönliche re:publica 2016 zum Kreis schließt. Angefangen hat die Sache mit einer sehr düsteren Keynote, und kurz vor Schluss höre ich am dritten Tag noch die Präsentation zweier Wissenschaftler der University of Cardiff, die sich mit der Stimmung im United Kingdom in den Jahren seit Snowden beschäftigt haben: Digital Citizenship in an Age of Mass Surveillance. Mit dem Ergebnis, dass der Problemkomplex Überwachung vs. Privacy immer noch unzureichend in der Öffentlichkeit diskutiert wird – nicht unschuldig daran sind die Medien, die allein durch die Auswahl ihrer Quellen schon unausgewogen berichten (1 Snowden gegen hunderte von Sicherheits-Politikern und -Experten…). Mit dem Ergebnis, dass sich die Bürger unzureichen informiert fühlen. Mit dem Ergebnis, dass es zwar oberflächliche Reformen, aber keine grundlegenden Änderungen der Machtverhältnisse gibt (warum fällt mir dabei der verschlüsselte Messenger WhatsApp aus dem datenhungrigen Hause Facebook ein?). Und mit dem auch von mir schon gelegentlich geäußerten Verdacht, dass den Mitgliedern der sog. Öffentlichkeit die Sache nach wie vor zu fremd ist, um sich groß darüber aufzuregen.

Ich sag’s ja: Seufz.

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