Der tägliche Besuch der alten Dame

Tagesschau 1970
Tagesschau 1970 (tagesschau.de)

Es muss was mit der redlich erworbenen Eigenschaft als Alter Zausel™ zu tun haben: (Fast) jeden Abend, kurz vor 20:00, geht der Griff zur Fernbedienung, drückt der Daumen auf die „1“ – nicht nur jetzt, wenn lange Abende in der Klinik herumzukriegen sind, sondern eigentlich immer.

Der Schreiber dieser Seiten lebt im 21. Jahrhundert und nimmt seine Nachrichten entsprechend auf. Mehrmals am Tag guckt er in den Feedreader und auf die Seiten einer Reihe von Nachrichtenanbietern. Eilmeldungen bekommt er per Push-Nachricht von verschiedenen Quellen, seinem eigenen Arbeitgeber inclusive. Zeitungen liest der Schreiber dieses seit Jahren nur noch sehr unregelmäßig, selbst in elektronischer Form. Für andere TV-Inhalte, also Nicht-Nachrichten, gibt es die Mediatheken und second screens. Und schon vor zehn Jahren verkündete ich meinem damaligen TV-Direktor das kommende Ende des linearen Programmes (was er nicht wirklich hören wollte).

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Relevanz, nicht Firlefanz

Schon früh im Berufsleben, also im letzten Jahrtausend, habe ich gelernt, dass bestimmte Themen einfach „ins Programm müssen“, damit das Programm beim Publikum als relevant angesehen (und gehört) wird. Diese Themen waren (und sind) von hohem Gesprächswert, wobei es leider egal war und ist, wer diesen hohen Gesprächswert initialisiert hat. So haben meine Kollegen und ich viele Male Themen ins Programm gepackt, die wir eher für unwichtig gehalten hatten, die aber eine bundesweite BILD-Schlagzeile „geadelt“ und zum bundesweiten Gesprächs- oder besser Aufregerthema gemacht hatte.

Viele dieser Aufregerthemen habe ich als Redakteur verantwortet oder als Moderator von Früh- oder Talksendungen diskutiert – oft, weil sie mich selbst auch interessiert hatten, oft aber auch, um die Relevanz des Programms oder Senders beim Publikum zu erhalten. Auch so funktioniert Journalismus.

Unter dieser Prämisse – was im bezahlten Journalismus funktioniert, muss doch auch im unbezahlten richtig sein – müsste ich in den vergangenen Monaten auf diesen Seiten, Journalist der ich bin, doch viel mehr meinungsstarke Texte abgelegt haben: Pegida, Flüchtlingskrise, der Rechtsruck in Polen, Ungarn, Frankreich und (etwas zivilisierter, aber nicht weniger erschreckend) in Großbritannien, zuletzt die Vorgänge am und im Kölner Hauptbahnhof – Themen für Aufregertexte gibt es mehr als genug, und das bestätigt mir auch jeder Blick in die Timelines auf Twitter, Facebook oder im Feedreader.

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Schwarzwald

Es ist nun bald drei Jahre her, dass ich anhub und schrieb:

Daran fühlte ich mich gestern abend erinnert. Aber der Reihe nach…

Ich gebe zu, manchmal einen schlichten Geschmack zu haben. Das ist der Grund, weshalb ich heimlich (nur meine Frau, meine Katze und meine Leser wissen davon) „Hubert und Staller“ (Wikipedia) gucke, auch wenn die Folgen im Bayerischen Fernsehen wiederholt werden. Und meine Grundfaulheit war daran schuld, dass ich dort hängenblieb und zum ersten Mal in meinem verpfuschten Leben Grünwalds Freitagscomedy (Wikipedia) sah.

Oh Gott. Bzw. oha!

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Von wegen „Klassentreffen“

Wie bist du groß geworden...
Wie bist du groß geworden…

„Junge, was bist Du groß geworden!“ Auch ich hatte ältere Verwandte, vor allem weiblichen Geschlechts, die nach mehrjährigem Nichtgesehenhaben zunächst nichts anderes zu sagen hatten. Was die re:publica angeht, bin ich inzwischen der ältere Onkel, der das angebliche Klassentreffen der dito Netzgemeinde zuletzt in der Berliner Kalkscheune miterlebt hat (wann kann das gewesen sein? 2011? 2012?).

Und ich stelle fest: Die re:publica ist erwachsen geworden.

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Wg. Charlie

Zum Anschlag auf die Redaktion der Pariser Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ ist fast alles gesagt, wenn auch noch nicht von jedem. Entsetzen lässt sich nicht in Worte fassen, und überhaupt kann ein Mensch allein nicht alles verstehen. Als Journalist möchte ich aber doch sagen: Die Karikaturen und vermutlich auch die übrigen Inhalte von Charlie Hebdo verraten, … Weiterlesen

No-Paper

Vor etwas mehr als zwei Jahren tat ich etwas für einen Journalisten Unerhörtes und kündigte mein letztes Zeitungsabo. Damals schrieb ich:

Und wenn wir jetzt noch verstehen, dass Papier nur ein Trägermedium ist, aber kein Qualitätsmerkmal, dann können wir das Papier aus dem ganzen Prozess eliminieren, das Abo kündigen und darauf hoffen, dass die bundesdeutschen Zeitungsverleger endlich kapieren, dass weder Leistungsschutzrecht noch Zwangsabos ihnen noch helfen können, sondern nur eine radikale (und schnelle!) Umstellung ihres Geschäftsmodelles.

Das ist, wie gesagt, zwei Jahre her. Vor bald zwei Monaten erhielt ich dann ein Päckchen vom Verlag meiner zuletzt abonnierten Zeitung. Im Begleitschreiben gratulierte man mir, dass ich bei einem „DDR-Rätsel“ gewonnen habe (konnte mich nicht daran erinnern, bei so was mitgemacht zu haben, aber was tut man nicht alles in Mittags- und anderen Pausen?), und wünschte mir viel Freude mit dem mitgeschickten 7-Zoll-Tablet und dem Sechs-Monate-Gratisabo der Berliner Zeitung.

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Wer wirbt?

Das mit der zielgerichteten Werbung werde ich nie ganz verstehen. Ich verstehe beispielsweise nicht, warum ich nach dem Abschluss eines Geschäftes im Netz, also dort, wo alle Interessierten es sofort mitbekommen, verstärkt Werbung für das gerade gekaufte Produkt oder die dito Dienstleistung zu sehen bekomme. Nun habe ich – weniger, um targeted adversiting ad absurdum … Weiterlesen

Dongle im Haus

Was nehme ich jetzt nur als Bild für diesen allerersten und vermutlich -letzten Erfahrungsbericht mit Chromecast in diesem Haushalt? Meinen Fernseher mit irgendwelchen Bildern drauf? Ein Bild von Chromecast, wie es hinten links in meinem Fernseher steckt? Ein Katzenbild? Ja, ein Katzenbild! Is‘ eh wurscht…

Toskanischer KaterHier jetzt also auch: Chromecast. Um Carola Heine zu zitieren (verlinkt, obwohl nur für Facebook-Nutzer zu sehen, wenn ich die aktuellen Sicherheitseinstellungen da richtig verstehe):

Ich muss ja leider immer alles haben, schon wenn es „Dongle“ heißt.

Ich habe also dieses € 35,00-Dings, das meinen Fernseher mit dem Netz verbindet und mir YouTube- und andere Zappelbilder auf den Fernseher bringt. Das tut mein Blu-Ray-Player zwar auch, und wenn mein Fernseher nicht dumb wäre, sondern smart, könnte er das glatt selber. Was bei diesen Lösungen bleibt: Bedieneroberflächen, die an Benutzerfreundlichkeit (und Eleganz) leicht zu überbieten sind – eine Suchanfrage nach einem Filmtitel mit den Cursortasten einer Fernbedienung einzugeben, vor allem, wenn die Katze vor dem IR-Empfänger des Fernsehers hocken will, ist unseres Jahrhunderts nicht würdig.

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Wg. Snowden

Das Erste (wir Älteren kennen es noch als ARD) hat 30 Minuten Interview mit Edward Snowden. NDR-Mitarbeiter Hubert Seipel hat sechs Stunden mit Snowden gesprochen; das geschnittene Interview lief am späten Sonntagabend nach Jauch und Tagesthemen, aber noch vor TTT, und die Timeline regt sich auf: Das mediale Totalversagen der ARD. #jauch #snowden — Andreas … Weiterlesen