Ach, Arthur…

…das Leben ist hart: Heute Pirat, morgen privat. Stand in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf einer der damals leider beliebten Spaßpostkarten (einer der Vorteile von E-Mail, WhatsApp & Co.: weniger Nachfrage nach Postkarten). Den Piratenstatus habe ich schon seit Jahren hinter mir, und das Private findet an dieser Stelle im Netz aus Prinzip … Weiterlesen

…dann haben die Terroristen gewonnen

Einer der dümmeren Sprüche, mit denen nach 9/11 die Angstmacher der US-Regierung Bush/Cheney ihre Landsleute von ihrer Politik zu überzeugen versuchten, war: „Wenn nicht [hier ein Ziel der Regierung einsetzen], dann haben die Terroristen gewonnen.“ Über diesen Spruch haben damals, zu Anfang des neuen Jahrtausends, vor allem die gegrinst, die der Politik von Bush/Cheney misstrauten, denn natürlich war der Spruch doppeldeutig. Wenn es hieß „Wenn wir nicht mehr in Ruhe und Frieden leben können, dann haben die Terroristen gewonnen.“, dann war es genau das, nämlich nicht mehr Ruhe und Frieden einkehren zu lassen, was die professionellen Angstmacher von Washington erreichen wollten.

Fast forward – 22. Juli 2016. Ein 18 Jahre alter Mann mit deutscher und iranischer Staatsbürgerschaft soll in München neun Menschen (und dann sich selbst) erschossen haben, legt mit seinen Taten und der darauf folgenden Lawine von Eil- und Schreckensmeldungen eine  ganze Millionenstadt für Stunden lahm. Meine Schwester meldet sich per WhatsApp, dass es ihr gut gehe und sie bei Freunden sei (und macht mich damit erst auf die Ereignisse aufmerksam, weil ich mal einen Abend lang keine Eilmeldungen hatte lesen wollen), andere Münchner melden sich via Facebook, auch über die „Ich bin sicher“-Funktion:

To whom it may concern... Statusbericht eines Münchners
To whom it may concern…

Weiterlesen

Ach, DHL…

Es ist ja grundsätzliche eine gute Idee von dir, in größeren Städten sogenannte Packstationen aufzustellen und so zu vermeiden, dass eure Fahrer nach dem Läuten beim Empfänger eines Paketes sofort türmen einen Benachrichtigungszettel verfassen müssen, wo man das Paket denn nun abholen blabla. Es ist grundsätzlich auch eine gute Idee Deines Fahrers, ein Paket von einer voll besetzten … Weiterlesen

Jahrestag

Red, White, and Blue
Red, White, and Blue

Gestern, am 4. Juli, war „Happy Birthday, America“, der Feiertag, der auch als Filmtitel („Independence Day“, demnächst erneut im Kino) weltweite Bekanntheit undsoweiter. Der heutige Tag, der 5. Juli, hat für mich die größere Bedeutung.

Vor zwanzig Jahren saß ich zum ersten Mal (von vielen Malen, die folgen sollten) in einer DC-10 der Northwest Airlines auf dem Weg nach Washington. Von einem Touristen mit Hotelbuchung und Mietwagenreservierung unterschied mich vor allem das Arbeitsvisum in meinem Pass, die Aussicht auf ein Leben als freier Journalist in den USA und einige Aufgaben, die ich so zuvor nie zu lösen hatte. Der Übergang vom touristenähnlichen, äh… Wesen zum Amerikaner auf Zeit war fließend.

Weiterlesen

Morning Train

08:08 Morning Train
08:08 Morning Train

Lichterfelde-West. Der Zug um 08:08 Uhr hat gegenüber denen um 07:58 und 08:18 den Vorteil, dass er ein Vollzug (Betonung auf der ersten Silbe!) ist und deshalb zwei Wagen mehr hat als seine Brüder vorher und nachher. Die Folge: Die irreführend als „Fahrgäste“ bezeichneten Menschen verteilen sich besser im Zug, und es gibt, zumindest in Lichterfelde-West, (meist) noch Sitzplätze. Überhaupt scheint die S1 hier draußen sowas wie eine Streber-S-Bahn zu sein: Hier wird der Mensch um diese Zeit nicht mit Dönerdünsten zugedünstet, und er muss auch nicht um ausgefallene Züge trauern; hier arbeitet der Mensch sich schon mal in die Akten des Tages ein, guckt im Smartphone durch die Mail oder liest Zeitung, wobei hier offenbar nur der (West-Berliner) Tagesspießer Tagesspiegel zugelassen ist. Wer nicht liest und arbeitet, unterhält sich gerne über Neuigkeiten aus der Fraktion.

Betonmischer Garten (ja, die unschuldigen Zeiten, als ich die Tochter noch mit solchem Blödsinn am Botanischen Garten erheitern konnte…!). Hier steigt gerne der dünne traurige Bassbariton mit Gitarre, Pferdeschwanz und Bart ein und stimmt mit trauriger Bassbariton-Stimme ein trauriges Lied an, das immer irgendwie russisch klingt, auch wenn ich auch schon mal „Wiskey in the Jar“ erkannt zu haben glaubte, in der sad edition, versteht sich.

Weiterlesen

rpTEN – Der Morgen danach (wonach?)

Sie kennen die Situation? Sie sitzen in einem Raum, in dem Interessantes ge- oder besprochen wird, Ihnen kommt gerade ein möglicherweise revolutionärer Gedanke zum Thema, da fängt irgendwo im Raum einer an zu husten. Und hört nicht mehr auf, hackt seine Lunge stückweise in die Umgebung, tut einem irgendwo auch leid, aber kann der Arsch nicht einfach mal den Raum verlassen?

Der Arsch war ich, bis ich vor etwa zehn Minuten den Kampf gegen den Hustenreiz und die weitere Teilnahme an der Veranstaltung CTRL aufgab.

We live in an era of ubiquitous surveillance. Surveillance is however seldom a goal in itself, but part of a larger scheme of socio-political domination. This talk will examine a few pieces of the puzzle leading to societal control: control of your activities via the internet, of your thoughts via the media and of your movement via border surveillance.

Eigentlich Pflichtprogramm, auch wenn ich auch hier – wie überhaupt oft auf der re:publica – den Eindruck hatte, es würde zu den bereits Bekehrten gepredigt. Aber das gehört auch zum re:publizieren (oder wie das Verb zur re:publica heißt): die Bestätigung der eigenen Meinung durch andere, möglicherweise Kompetentere.

Womit wir bei Gunter Dueck wären.

Weiterlesen

rpTEN – wieder was gelernt

Der erste Tag der rpTEN ist alles andere als vorbei, und doch habe ich schon was gelernt: Nach der OP ist anders als vor der OP. Die letzte re:publica fand statt einen Monat, bevor ich entdeckte, dass ich bei weitem nicht so gesund bin, wie ich dachte. Die aktuelle re:publica findet zwei Wochen nach der … Weiterlesen

1 Frage, 1 Antwort

Q: Warum ist PGP-basierte Verschlüsselung nichts für Menschen über 55 (oder zumindest einen ganz bestimmten aus dieser Altersklasse)? A: Weil sie (oder zumindest ein ganz bestimmter aus dieser Altersklasse) sich die Passphrase für einen Schlüssel, den sie vor einem halben Jahr erzeugt haben, dann ein paar Male genutzt und seitdem nicht mehr, nicht merken können. … Weiterlesen

Hello, again!

Ja. Wieder eine Ruhephase hier im Blog – zunächst unregelmäßiges Bloggen, dann immer weniger Einträge, dann Schweigen, obwohl es genug zu sagen gegeben hätte.

Der Grund? Ich hatte schon einmal, vor knapp vier Jahren, geschrieben über die unsexy Krankheit und damals gemeint, meine Depression sei

nichts, was man mit Psychopharmaka behandeln müsste, und möglicherweise geht es sogar ohne ausgewachsene Therapie, und ein wenig Coaching behebt die Sache. Der Versuch läuft.

Die Wand
Unsexy Wand

Vier Jahre ist der Versuch jetzt am Laufen, und zunächst zeigte er auch Erfolge. Doch jetzt, vor allem nach dem großen gesundheitlichen Knick in der Timeline im letzten Jahr, aber auch nach privaten Schwierigkeiten, über die ich hier und jetzt nicht schreiben will, war klar: Ganz so einfach ist die Sache nicht. Vor allem die Operationen des letzten Sommers haben mir klar gemacht, dass die Jugend mit 57 am Vorbeisein am sein ist. Und dass der Mensch nicht nur mit körperlichen Gleichgewichtsstörungen auf einen solchen (im Wortsinne!) Einschnitt reagiert, scheint auch relativ normal zu sein. Dazu kommen Konzentrationsstörungen (oh guck mal, ein Eichhörnchen!) und ein gewisser Mangel an Power. Alles nichts absolut Ungewöhnliches, aber (ha!) auch ganz bestimmt nicht widerstandslos hinzunehmen.

Weshalb ich nach Rücksprache mit einem Neurologen und einer Psychiaterin und mit der moralischen Unterstützung meiner beruflichen und privaten Umgebung gestern in eine Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie eingecheckt habe – wobei der Entschluss zumindest mir überhaupt nicht leicht gefallen ist. Wie auch, wo doch vor allem die anderen die Bekloppten sind?

Weiterlesen

Isopropylprophenyl…

Aus Gründen (Medikament nicht vertragen, allergische Schockreaktion, nichts wirklich gefährliches, eher unappetitlich und wg. Juckreiz sehnsüchtige Erinnerungen an die Szene wachrufend, in der Balu der Bär sich genüsslich den Rücken an einem Baum im Dschungel schubbert, aber ich schweife schon ab, bevor dieser Text überhaupt richtig begonnen hat…)

Aus Gründen also verbringe ich mal wieder einige Tage im Krankenhaus meines Vertrauens. Und obwohl mir wesentliche Aspekte dieses Biotops inzwischen bekannt und erklärlich sind (wo ist die Cafeteria, und warum schmeckt dort der Käsekuchen nach nichts?), gibt es eine Frage, die mich immer wieder nachts nicht schlafen (und stattdessen Blogtexte schreiben) lässt:

Wer denkt sich nur all diese mindestens viersilbigen Produktnamen aus, die man sich hier ständig merken muss (natürlich nur, wenn man nicht diese Krankheit hat, deren Name mir gerade nicht einfällt)?

Weiterlesen