Cartoon!

Wenn wir in dieser besinnlichen (hust!) Zeit schon mal dabei sind, den Einfluss der Popkultur auf das eigene Leben zu würdigen: Cartoons!

Es mag mit dem Stellenwert von bunten Bildergeschichten zusammenhängen, der im verbreiteten Kulturbegriff ein paar Etagen unter der Musik angesiedelt ist; vielleicht hat es aber auch damit zu tun, dass es in der Welt der Cartoons dann doch niemanden gibt, der einen so herausragenden Stellenwert wie ein Komponist, ein Songschreiber oder eine Band hat - dazu ist diese Welt einfach zu vielfältig und, nun ja, bunt.

Entsprechend vielfältig und bunt waren im Laufe meines bisherigen Lebens die Vorlieben für Comicserien - auch wenn auch hier, wie in der Musik, einige Dauervorlieben zu vermerken sind.

Angefangen hat es wie bei vermutlich vielen meines Alters mit Fix und Foxi, die jedoch schon dem vorpubertären Konstantin rasch zu doof waren, gefolgt von Micky Maus (der Maus, nicht dem gesamten damaligen Disneyversum - dazu am Schluss mehr) und - wir waren jung und hatten zwar Taschengeld, aber weder Geschmack noch Verstand, es für die richtigen, wichtigen Dinge auszugeben - Superman und Batman.

Flügelhelm und Hinkelstein

Der erste große und, wie sich herausstellen sollte, dauerhafte Einfluss kam dann aus Frankreich: Asterix und Obelix - die in der völlig verpfuschten Übersetzung des Fix-und-Foxi-Verlegers Kauka als Siggi und Babarras schon mal durch unsere Kinderzimmer gegeistert waren - kamen, sahen und siegten in der Gesamtfamilie (vielleicht mit der Ausnahme meines Vaters, der eher der Hochkultur zugeneigt war und am liebsten Bibliothekar geworden wäre). Wahrscheinlich hatte der Erfolg damit zu tun, dass Asterix und Obelix uns den Gallischen Krieg näher gebracht hatten, als es die Lateinlehrer in der Schule vermochten ('tschuldigen schon, die Herren!), sicher lag es auch an der Qualität: Jedenfalls eroberten sich die Asterixbände einen Stammplatz im Hause Klein. Ja, der Stammplatz war auf der Toilette, unter dem Waschbecken (was gelegentlich zu Daueraufenthalten auch von Besuchern führte), aber es war ein Stammplatz!

Zwei Helden sind nicht genug

Den ganz persönlichen Stammplatz in meinem Herzen, gehalten bis heute, eroberten sich aber zwei andere Helden: Spirou und Fantasio, vorzugsweise aus der Epoche, als der Belgier André Franquin die beiden zeichnete - und einen weiteren Helden meiner Jugend (und ja, auch meiner Zeit als mehr oder weniger Erwachsener) hinzufügte: das Marsupilami.

Ich bin mir sicher, dass der Reiz, den die Bände von Franquin auf mich ausübten, unter anderem damit zu tun hatten, dass Franquin, so phantasievoll und verrückt die Geschichten und Bilder waren, wann immer möglich, Autos aus der jeweiligen Zeit einigermaßen realistisch zeichnete - was die phantasievolle und verrückte Welt für mich relatable machte. Im Artikelbild ganz oben fährt der Funkamateur Bruno Ukaweh einen BMW 700, ein Auto, das zu dieser Zeit tatsächlich auf der Straße zu sehen war, und nicht mal selten.

Jedenfalls hatte ich bald - und bis vor kurzem, aber dazu gleich mehr - eine Sammlung von (überwiegend) Franquin-Bänden, darunter auch mein Dauerfavorit QRN ruft Bretzelburg, den ich, bedingt durch Verschleiß und Verluste, analog zu einer gewissen LP gleich mehrfach kaufte.

Dass meine Begeisterung für Spirou und Fantasio, anders als die für die beiden Gallier, bis heute nicht nachgelassen hat, liegt übrigens daran, dass Franquin einen anderen Weg gegangen war als der Asterix-Vater Albert Uderzo. Der konnte auch nach dem frühen Tod seines genialen Mitautoren René Goscinny nicht von der Serie lassen, wurde alt, sah wohl auch nicht mehr so gut und übergab die Serie viel zu spät an unterschiedlich talentierte Jüngere.

Franquin dagegen verabschiedete sich schon 1970 von Spirou und Fantasio (nur das Marsupilami nahm er mit) und übergab die Serie an Jüngere. Und bis heute kommen immer wieder erstaunliche, stilistisch und inhaltlich sehr unterschiedliche Bände heraus (Spirou - Porträt eines Helden als junger Tor, Sein Name war Ptirou, Spirou in Berlin, alles Amazon-Links, so wegen Weihnachten & so...). Nicht alle davon gefallen allen, aber das muss auch nicht sein. Vor zwei Jahren wurde die Serie achtzig Jahre alt. Still going strong...

Oh weh!

Und wie ich in der Vorbereitung für diesen Text merkte, habe ich zwar in den letzten Jahren eine Auswahl der besten Asterixbände (und auch einige eher schlechte aus der Nachfolger-Zeit) noch einmal gekauft; meine Sammlung von Spirou-Bänden ist dagegen, mit Ausnahme von QRN ruft Bretzelburg (Amazon-Link), verschwunden. Ich kann mir nur vorstellen, dass ich sie einmal einem jüngeren Menschen zur Fortbildung geliehen habe (meine Tochter ist es nicht, wie sie mir gerade am Telefon bestätigte, aber auch sie kennt und liebt Spirou. Ist ja meine Tochter!) und leider nicht mehr weiß, wem. Weiß ich also, wofür ich in der nächsten Zeit gelegentlich Geld ausgeben werde. Die Gesamtausgabe allein der Franquin-Bände (Amazon-Link) kostet schon € 288 - hui!

(Sehr) Ehrenvolle Erwähnungen

Das alles soll nicht heißen, dass es nicht auch andere Helden in meinem ganz speziellen Comic-Universum gab: Gotlibs "Witzbold", den es nur noch antiquarisch gibt, aber auch Gotlibs Erwachsenencomics, die von einer schon ausgesprochenen Unanständigkeit waren, Berkeley Breatheds Bloom County und die Nachfolgereihen Outland und Opus, und natürlich Calvin und Hobbes von Bill Watterson.

Der von mir im vierten Absatz eher nebenbei abgetane Batman steht übrigens nach einem Besuch einer Batman-Ausstellung im Münchner Amerikahaus im Sommer 2019 vor einem möglichen Comeback.

Ein ganz besonderer Platz in meinem Herzen gehört aber (und damit schließt sich der Kreis wieder zu den Helden der Kindheit) Donald Duck, speziell aus den Federn von Carl Barks und Erika Fuchs. Und seit Jahren denke ich, bisher ergebnislos, darüber nach, mir eine D.O.N.A.L.D.-Mitgliedschaft zu leisten. Soll ich?

Klatsch-klatsch-klatsch.