Bush Talk

Ich muss aufpassen, dass ich mich jetzt nicht von Antipathien beeinflussen lasse, oder auch nur von dem Neid, dass Sabine C. das bekommen hat, was meinen Kollegen und mir in acht Jahren in Washington verwehrt geblieben ist: ein Interview mit einem echten, im Dienst befindlichen US-Präsidenten.

Hinter meinem Rücken – buchstäblich: ich kann den Fernseher vom Schreibtisch aus nicht sehen, und ich will auch gar nicht – geht das Halbstundengespräch zwischen Sabine C., der Stichwort-Talkerin vom Sonntagabend, und George B., dem Präsidenten der US of A in seine letzte Runde; zwei Fußball-Nichtexperten reden über Fußball. Sollen sie.

Wichtig war aus meiner Sicht, in welcher Form Frau C. den politischen Teil des Interviews in den Sand gesetzt hat. Ich gebe zu, sie hat all die Fragen abgelesen gestellt nein, eigentlich doch abgelesen, die von ihr erwartet wurden. Das ist ihr auch nicht vorzuwerfen, in diesem Fall nicht: Kein amtierender Präsident der letzten Jahre hat sich zum Interview hingesetzt, ohne die Fragen zu kennen.

Was Frau C. aber nicht getan hat: Sie hat Mr. B. nicht zugehört, wenn er seine Antworten gab. Oder, noch schlimmer: Sie hat zugehört, fand es aber nicht wichtig – oder einfach unhöflich -, nachzuhaken, wenn er mit dem Abspulen der bekannten Texte fertig war. Und nachhaken muss man einfach, wenn der Präsident z.B. doziert, dass zu einer Demokratie auch eine freie Presse gehört sowie die Möglichkeit, die Regierenden zur Verantwortung zu ziehen. Beides gilt auch für die USA – im ersten Fall jedoch ist es die Presse selbst, die sich nicht mehr traut, die richtigen Fragen zu stellen bzw. auf richtige Antworten zu bestehen; und im zweiten Fall ist es die Regierung B., die alles nur mögliche tut, um eben nicht für ihre Fehler einstehen zu müssen.

Aber was mache ich mir eigentlich vor? Natürlich hat Frau C. Mr. B. nur unter der Bedingung vor die Kamera bekommen, dass außer den vorab eingereichten Fragen keine weiteren – und schon gar keine Nachfragen – unkontrolliert auf den Sender gelangen.

Ist auch nicht erst eine Erfindung der Regierung B., leider. Vielleicht sollte man solche Interviews lieber gleich bleiben lassen, als so zu tun, als seien sie journalistisch relevant.