Bush jr., Revisited

Im Herzen bin ich, auch mehr als sechs Jahre nach der Rückkehr nach Europa, immer noch mindestens Halb-Amerikaner, und werde es – nicht nur dank der verwandtschaftlichen Bindungen – wohl auch immer bleiben. Das Land, seine Bewohner (mitsamt ihrer Macken), vor allem aber – nicht lachen! – seine Geschichte, seine Kultur und seine demokratische Tradition haben es mir so angetan, dass allein beim Gedanken an die US of A sich mir das eine oder andere „Hach!“entringt.

Soweit, so gut.

Nun gab es in der jüngeren US-amerikanischen Geschichte eine Phase, die nicht nur Europäer verwirrt und verstört hat: die Regierungszeit des jüngeren George Bush und seines Vizepräsidenten, der nicht nur von Europäern gelegentlich mit Darth Vader verglichen wurde, obwohl er ihm so gar nicht ähnlich sieht. Die Ereignisse des 11. September 2001 (die ich in Washington miterlebt habe) haben die USA und große Teile der restlichen Welt hinter George W. Bush vereint, auch wenn diese Unterstützung dann – unterschiedlich schnell – wieder abbröckelte, bis hin zum Wahlsieg von Barack Obama vor anderthalb Jahren.

Insoweit bin ich mit der Lektüre von How Would a Patriot Act? (Amazon-Link) des Juristen und Salon.com-Bloggers Glenn Greenwald, erschienen 2006, ein wenig hintendran. Und doch bin ich davon so beeindruckt, dass ich hier eine unbedingte Leseempfehlung für alle aussprechen möchte, die sich mit dem Wesen der US-Demokratie näher auseinandersetzen möchten.

Wieder und wieder, und zunehmend vernichtend, nimmt Greenwald die juristischen Anstrengungen der Bush-Regierung, die Imperial Presidency nach Art der Häuser Nixon und Bush jr. zu legitimieren, auseinander. Für jeden verständlich (für jeden, liebe Bush-Anhänger – auch wenn die unter den Lesern dieses Blogs eher selten sein dürften!) macht der Anwalt Greenwald klar, wie diametral entgegengesetzt die Bush-Doktrin den Ideen der Founding Fathers der USA ist. Und wieviele auch rechtskonservative Juristen in den USA im Grunde der gleichen Meinung sind und dies auch oft und laut genug geäußert haben.

In der Realen Welt™ ist das Thema vorerst durch. Amerika beschäftigt sich mit Gesundheitsreformen und den durchgeknallten Tea Baggers, und die juristischen Raubzüge von Bush jr., Cheney & Co. interessieren wohl nur noch Historiker. Und mich, der sich auch beim Lesen von How Would A Patriot Act? noch einmal richtig aufregen kann über die Leute, die ihm seine Idee von Amerika beschmutzen konnten.