Born in the U.S.A. Doch, wirklich.

Im Grunde geht es einem Land doch richtig gut, wenn dort zum heiß diskutierten Thema werden kann, ob das gewählte Staatsoberhaupt Staatsbürger des Landes ist.

Genau eine solche Diskussion beobachte ich gerade aus der Ferne in den U.S.A. Schon kurz nach der Wahl von Barack Obama zum 44. Präsidenten der US of A meldeten sich Obama-Gegner zu Wort, behaupteten, Obama sei nicht in den USA geboren, sondern in Kenia (was nicht stimmt) und somit kein US-Staatsbürger (was auch nicht stimmt, denn seine Mutter ist US-Staatsbürger, und so wäre sogar ein in Kenia geborenes Barack-Baby Amerikaner), verlangten, Obamas Geburtsschein zu sehen, und bereiteten mehr oder weniger alles vor, die Wahl Obamas auf dieser Grundlage als illegal ansehen zu können. (Der Hintergrund: Artikel II der US-Verfassung verlangt, dass nur geborene US-Staatsbürger Präsident werden können, nicht aber eingebürgerte.) Die Sache führte soweit, dass die Abgeordneten im Repräsentantenhaus in Washington tatsächlich darüber abstimmten, ob Obama auf US-Grund geboren wurde oder nicht (Ergebnis: er wurde).

Was für ein Bullshit.

Leider setzt sich die Bullenscheiße fort, und Salon.com, eine eher linksliberale Netzpublikation, bringt ein Stück über die sogenannten birthers im Kongress, also Vertreter der o.a. Denk“schule“ (oder „Denk“schule?). Immerhin fangen jetzt die größten Klappen der publizistischen Rechten an, sich zumindest von dieser Idee „Obama ist Afrikaner, was einerseits seine Politik erklärt, andererseits die gesamte abendländische Welt (lies: Kansas) in den Abgrund stürzen wird“ zu distanzieren. Die Frage, ob diese immerhin über 200 Jahre alte Vorschrift der US-Verfassung möglicherweise geändert werden soll, künftig also auch eingebürgerte Staatsbürger (lies: Schwarzenegger) Präsident werden können, wird dagegen wieder von links gestellt.

Ich sag’s ja: Denen geht es zu gut.

Der Witz ist ja, dass John McCain, Obamas Gegner im Wahlkampf 2008, tatsächlich außerhalb der USA zur Welt gekommen ist, den birthers also mindestens ebenso verdächtig erscheinen muss. (Auflösung: Papa McCain war zur Zeit von Johnnys Geburt als Marineoffizier in Panama stationiert, aber natürlich sind die McCains Amerikaner und John McCain damit zumindest theoretisch presidentabile. Praktisch wg. Alter jetzt wohl nicht mehr).

Bloß gut, dass Angela Merkel zwar in der DDR aufgewachsen, aber in der Bundesrepublik geboren ist – sonst hätten wir die Diskussion möglicherweise hier auch noch. Ach ja, und: Hat Ulla Schmidt eigentlich keinen Führerschein (oder, horribile dictu, nur einen EU-FS)?