Bilanz eines news junkie

Schreiber dieser Zeilen ist – so steht es nicht im Ausweis – Journalist (OK, im Journalistenausweis steht es, aber wer braucht schon sowas?), hat also eine berufsmäßige Entschuldigung dafür, ein news junkie zu sein.

Nochmal Glück gehabt.

Weil aber heute für mich so etwas wie ein Meta-Tag war (Journalisten sprechen mit Journalisten darüber, was es bedeutet, Journalist zu sein – gähn!), und weil auch andere sich zu dem Thema äußern, denke ich gerade darüber nach, wie ich informiert bleibe.

Vor zehn Jahren war die Sache ja noch einfach. Ich arbeitete als Radio- und Fernsehkorrespondent, und der Tag begann mit genüsslicher, intensiver Lektüre der Lokalzeitung. Für den Blick auf die Ereignisse der Nacht gab es cnn.com & Co. Im Büro liefen (stumm!) fünf Fernseher mit vier Nachrichtenkanälen und dem Programm des eigenen Hauptauftraggebers, im PC lief bei Bedarf das Nachrichtenverteilsystem der Redaktion, und für alles andere gab es zunächst das Telefon. Man nennt das Recherche, aber das führt schon über den Tellerrand des klassischen news junkie hinaus.

Heute ist die Sache komplizierter. Hauptnachrichtenquelle ist inzwischen der Guglrieder, in dem – sorry, folks – Blogs inzwischen eher eine Nebenrolle einnehmen (Zeit für eine klassiche blogroll?), Nachrichtenquellen aller Art dagegen dominieren (und, SParGEL Online: Nachrichtenquellen, die nur die Artikelüberschriften in den Feed stellen, spielen da eine eher untergeordnete Rolle. Wollt ich nur mal gesagt haben!). Vor dem Frühstück hole ich mir die erste Dosis ab. Der Weg zur Arbeit ist kurz und von Umsteigen geprägt: für einen Podcast reicht es aber. Im Büro läuft wieder ein Nachrichtenverteilsystem; außerdem ist es in einer Redaktion nicht leicht, von jeglichem Nachrichtenfluss abgeschnitten zu sein, selbst wenn die Glotze aus ist. Und selbst wenn keiner mehr mit einem redet (?), steckt der Guglrieder immer noch in der Tasche – in seiner Mobilausgabe auf dem Handy. Abends dann Tagesschau, ggf. Tagesthemen (wenn ich mir die nicht für die Fahrt zur Arbeit am nächsten Morgen aufhebe).

Und was fehlt in dieser Aufzählung? Richtig. Die Tageszeitung. Ich habe zwar immer noch eine Lokalzeitung abonniert; zu sagen, dass ich sie regelmäßig und gründlich lese, wäre aber geprahlt. Vielleicht liegt das daran, dass die Hauptstadt entgegen entsprechender Behauptungen von interessierter Seite keine Hauptstadtzeitung hat. Wahrscheinlicher aber ist, dass mir die Zeitung einfach zu langsam geworden ist.

Stichwort „langsam“: SPIEGEL, WIRED und c’t – ja. DIE ZEIT: nein. Schade eigentlich. Und jetzt (fürs Protokoll: um 23:15) gehe ich und lese die heutige Zeitung.