Bilanz einer experimentellen Woche

The next big thing ist nach wie vor zum Greifen nah, aber nicht zum Be-Greifen, und schon gar nicht zur ganz persönlichen Umsetzung: so fühle ich mich nach einer Woche Paradigmenwechsel in dieser Ecke des Netzes. Von einem Ausrutscher abgesehen, habe ich die letzten sieben Tage zur Micro-Woche ernannt und das auch durchgehalten; eine Woche lang fanden meine Web-Blurbs nur in der Kurzform statt, im Tumblr und in der ganz kurzen Form von 140 characters or less.

Hier meine Bilanz, die ganz persönliche:

Tumblelogging ist eine gänzlich andere Form des Web-Publishing, die ich außerordentlich reizvoll finde. Ich bleibe dabei:

Es klingt nur so, als habe [tumblelogging] etwas mit „tumb“ zu tun, ist in Wahrheit aber Bloggen auf Speed, Weblog für die mit der kurzen Aufmerksamkeitsspanne.  Dort fliegen die Netzfetzen. Weitgehend unbeobachtet, wie mir die Trackerzahlen verraten, aber spannender, weil schneller, roher, direkter.

Das ist die eine Sache. Die andere ist, dass tumblr.bluelectric.org, wie es sich schlussendlich betrieben hat, nie zur Konkurrenz oder gar zum Nachfolger eines „klassischen“ Weblogs (eine Formulierung, wie sie auch nur einem Alten Zauselâ„¢ glatt über die schrumpeligen, sabbernden Lippen gehen kann!) wurde. Denn hier, auf dieser Seite, die Sie gerade ansehen, betreibe ich schon so etwas wie Einmann-Journalismus, mit ausformulierten Texten und manchmal sogar ausgereiften Gedanken. Drüben, im Tumblr, fand eher ein Remix des Webs statt, wie ich es in meinem Alltag zu Gesicht bekommen habe.

Im Grunde, auch wenn Christian Neukirchens Anarchaia als erstes Tumblelog gilt, ist die Tumblerei schon etwas älter – ein gewisser Schockwellenreiter macht seit mehr als acht Jahren nichts anderes, als Netzfetzen zu sammeln und als Collage wieder ins Netz zu stellen (längere Reportagen über Neukölln, Gartenbau oder Hundesport bestätigen als Ausnahmen nur die Regel!).

Und die Technik, die tumblr.com, soup.io & Co. anbieten, implementieren des Schockwellenreiters Arbeitsweise in einer leicht bedienbaren Oberfläche.

Die Kurzform, die ich auch schon als Web für die mit der kurzen Aufmerksamkeitsspanne verspottet habe, ist eben nicht the next big thing, sondern eher another thing, possibly big. Aussichtsreichste Kandidatin für diese Bezeichnung ist nach wie vor die Vernetzung des Netzes, das, was man schon nicht mehr als social web oder gar web 2.0 bezeichnen möchte, ohne sich hinterher den Mund mit Seife auswaschen zu wollen.

Weshalb ich diese beiden Schlussfolgerungen aus der Woche mitnehme:

  1. Tumblelogging ist zu reizvoll, um es bleibenzulassen; findet es eben künftig, wie schon knapp die letzten beiden Monate, neben der konventionellen Bloggerei statt. Es kann aber sein, dass durch diese Aufgabenteilung die Kurzform von diesen Seiten noch mehr verschwindet und die Langform zur Regel wird.
  2. Damit aber der interessierte Leser (doch, den gibt es irgendwo da draußen, ich weiß es!) nichts versäumt, hat er die Möglichkeit, über den Combo-Feed beide Seiten und noch etwas mehr zu verfolgen. Dieser Feed (den es schon länger gibt) wird seit ein paar Tagen von einer Yahoo-Pipe gespeist, die dieses und jenes aus dem Netz sammelt, filtert, neu sortiert und präsentiert. Und die gerade unter Twitters Schluckauf leidet und deshalb meine Tweets vorübergehend aus dem Tumblr holt. Und ich verliere allmählich den Überblick.
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