Beyond Trump

The Donald und Dennis Rodman
The Donald und Dennis Rodman (Photo: OpenSportsLizenz)

Am Montagabend legte ich mich mit Schüttelfrost und 38° Fieber ins Bett, und vieles, was ich seitdem gedacht und gesehen habe, kann ich diesem Fieber, das immer noch andauert, zuschreiben.

Leider nicht alles.

Nun ist also Donald J. Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden, und wir, das ist: die ganze Welt, haben uns darauf einzurichten. Dabei ist es ja nicht so, dass die wahlberechtigten Amerikaner sich noch nie für einen Kandidaten (komischerweise waren es immer Republikaner) entschieden hätten, bei dem der Rest der Welt™ nicht entsetzt aufgestöhnt hätte aufgrund der offen zu Tage liegenden Ungeeignetheit dieses Kandidaten. In den letzten 36 Jahren gab es zwei davon (George H. Bush, auch „Bush der Ältere“ genannt, nehme ich mal davon aus, da er intellektuell seinen Vorgänger und einstweiligen Chef und seinen Sohn in den Schatten stellt – dafür hatte er einen minderbemittelten Vize), und die Welt incl. der Vereinigten Staaten hat beide, Ronald Reagan und George W. Bush überlebt.

Wenn wir uns die beiden einmal ansehen, fallen uns ein paar Eigenschaften auf:

  • Beide galten für das Amt in Washington als ausgesprochen unqualifiziert. Reagan war zwar eine Zeitlang Chef einer (konservativen) Schauspielergewerkschaft und Gouverneur von Kalifornien, aber zumindest letzteres war Arnold Schwarzenegger auch. George Bush II. dagegen war vor allem als Chef pleitegegangener Öl-Unternehmen aufgefallen (Öl! Pleite!! In Texas!!!).
  • Beide zeigten während ihrer jeweils achtjährigen Amtszeit wenig Begeisterung für Arbeit im Allgemeinen und die mühseligen Details ihrer Aufgabe (Anführer der freien Welt oder so) im Besonderen.
  • Beide umgaben sich daher mit Beratern, die ihre Politik bestimmten und im Falle von Bush-Vize Dick Cheney sogar den Ruf eines Darth Vader von Washington erwarben.

OK. Unqualifiziert, Serien-Pleitier, uninteressiert an Details und mühsamer Arbeit – das alles trifft auch auf Donald J. Trump zu. Und so gruselig die Vorstellung ist, dass dieser Mann Zugang zu den Nuklearcodes der USA haben wird, und so nahezu popcornträchtig die Aussichten auf internationale Auseinandersetzungen betr. „Wer bezahlt denn nun die Mauer?“ sind, so wichtig ist es jetzt, sich mal anzusehen, wer in den nächsten vier Jahren (hoffentlich nur vier!) die eigentliche Arbeit im Weißen Haus machen wird.

Auf dieser Seite des Atlantiks (und darin schließe ich mich ein) weiß man doch recht wenig über Mike Pence – außer dass er ein strammer Konservativer ist, gegen Abtreibungsrechte und die Rechte von Schwulen und Lesben ist, die menschenerzeugte Erderwärmung anzweifelt und die Evolutionstheorie nicht mag. Für ihn spricht, dass er die wüstesten Ideen und Aussagen seines künftigen Chefs als solche erkennt und diese Erkenntnis auch ausspricht. Für ihn spricht auch, dass er als ruhig und überlegt gilt – was damit rechnen lässt, dass der künftige Politikstil in Washington nicht von Fuckface von Clownstick dominiert wird – zumindest nicht allein. Dass er keine progressive Politik machen wird – geschenkt.

Sobald in den nächsten Tagen und Wochen mehr über Trumps Mannschaft klar wird, sollten wir uns die Gesichter zu und die Geschichten hinter den Namen genau angucken. Und dann werden wir wissen, womit wir zu rechnen haben. Zu rechnen ist mit einer Mannschaft aus Industrielobbyisten und -vertretern sowie aus der Bankenwelt.

Ach ja, nochwas: Wenn Donald Trump der Supergeschäftsmann außer dem seines Ghostwriters noch ein Buch über Management gelesen haben sollte (hat er wohl nicht), dann wäre zu hoffen, dass es das Peter Principle ist. Darin heißt es:

Nach einer gewissen Zeit wird jede Position von einem Mitarbeiter besetzt, der unfähig ist, seine Aufgabe zu erfüllen.

So gesehen, ist auch der Chefposten in 1600 Pennsylvania Ave. nur ein Job wie jeder andere.

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