Berlin, 1. Mai

Angekommen um 21:28 an Gleis drei des Berliner Ostbahnhofs. Drei Minuten zu spät. Der Bahnsteig buchstäblich schwarz vor uniformierten Menschen. Seit wann trägt die sogenannte Bundespolizei schwarzes Einsatzzeug mit lächerlich breiten Schulterpolstern (die Dinger können nicht echt gewesen sein…)? Schäferhunde mit Maulkörben, Kurzgeschorene Beamtenköpfe mit stechenden Augen, dazwischen schleichen ICE-Fahrgäste mit ihren Rollkoffern dahin.

1. Mai in Berlin. Auf den Straßen – jedenfalls auf denen zwischen dem Bahnhof und meinem Zuhause im Norden von Prenzlauer Berg – bemerkenswert wenig Verkehr. Viele Autos in Weiß-Grün bzw. Silber-Grün. Die Nachrichten im Netz sprechen von „einigen Verletzten“ in Kreuzberg – wie in den letzten 19 Jahren wird das genaue Maß des angerichteten Schadens erst morgen bekannt gegeben.

Und jetzt, eine Stunde nach Mitternacht, sitze ich bei offener Terrassentür, höre dem lauten Gezwitscher eines schlafgestörten Vogels zu, und nur ganz leise im Hintergrund ertönt der Sound des 1. Mai: Polizeisirenen.

Scheiß-Folklore, das.