Bekenntnisse eines Voyeurs

Ja-haa! Da gucken alle doch gleich genauer hin. „Bekenntnisse eines Voyeurs“, und das auch noch mit Namensnennung (sogar im Domainnamen!) – das kann doch nur…

…langweilig werden. Denn erstens bin ich nicht mehr Voyeur als alle anderen auch, und wenn ich es wäre, würde ich es zweitens auch ganz bestimmt hier hinausposaunen. Klaro. Immer.

Das Peinliche daran ist: Mein Online-Verhalten lässt auf einen gewissen Voyeurismus schliessen. Gerade eben, bevor ich mich entschlossen habe, meine Obsession hier offenzulegen, habe ich wieder meine Spuren in den Logfiles von JenniCam hinterlassen. Die Betonung liegt dabei auf „wieder“ – ich bin Wiederholungstäter.

JenniCam ist – erfahrene Surfer wissen es – quasi die Urmutter des privaten WebCam-Unwesens. Sie war eine der ersten, die sich den ganzen Tag und – soweit es die Beleuchtung erlaubt – die ganze Nacht von anonymen Surfern begucken liess. Und angeblich kann sie davon sogar leben: Gelegenheitssurfer bekommen bei JenniCam alle 15 Minuten ein neues Bild; wer live dabei sein will, muss zahlen.

Dabei ist es vergleichsweise unaufregend, was da zu sehen ist. Anders als andere professionelle WebCam-Betreiber zieht Jenni sich nämlich nicht für das Publikum aus; wenn es mal zu Nacktheiten kommt, dann sind sie eher dem jeweils aktuellen boyfriend zu verdanken als dem Geschäftszweck der Firma JenniCam. Die meiste Zeit sieht man aber entweder eine leere Wohnung oder eine Frau, weder hübsch noch hässlich, die auf einen Computermonitor starrt.

Und da kommt der Voyeurismus ins Spiel. Denn leere Zimmer oder einen konzentrierten Arbeiter gibt es auch anderswo, und da kenne ich wenigstens die Darsteller. Warum gucke ich also, und warum gucken alle immer wieder bei JenniCam rein?

Keine Ahnung. Ebenso, wie ich nicht weiss, warum pro Tag mehrere wildfremde Menschen meine WebCam ansteuern und mir (oder meinem Schreibtisch) beim Dasein zugucken, obwohl ich in den WebCam-Verzeichnissen (beispielweise Cammunity) allen Anschein irgendwelcher Spannung präzise vermieden habe. Und doch ist es hip, eine WebCam zu betreiben und sich die von anderen Leuten anzugucken.

Sorry, Sie zu enttäuschen, aber diese Geschichte hat keine Auflösung. Ich stehe wirklich rätselsam vor dem Phänomen.

Ich mach mich jetzt erst mal daran, ein Gästebuch auf diesen Seiten zu installieren. Sie können sich inzwischen ja schon mal überlegen, was Sie dort zu dem Thema eintragen werden. Oder auch nicht.