Automobilkultur

Bloß gut, dass sich die Frage des Autokaufs derzeit nicht stellt. Wir sind nahezu ausnahmslos zufrieden mit dem Schlorren, der da im Hof steht, er ist zu neu für die Abwrackprämie, und der Kontostand spricht eine deutliche Sprache gegen unnötige Extravaganzen (von nötigen E. hat er nichts gesagt, der Kontostand. Und damit ist auch wieder gut mit sprechenden Kontoständen.).

Was wollte ich eigentlich sagen? Ach ja: Opel.

Solidaritätskäufe widersprechen meinem Naturell, das zwischen streng sachlich getroffenen Kaufentscheidungen und völligem Shopping-Irrsinn (Macs!) hin und her pendelt. Und doch: Wenn ein Autokauf anstünde  – ich würde in diesen Tagen wahrscheinlich einen Opel kaufen.

Es geht mir bei solchen Gedanken nicht um den Erhalt einer zwischenzeitlich arg heruntergewirtschafteten Abteilung des am wenigsten inspirierten Autokonzerns der westlichen Welt. Es geht mir auch nur bedingt – sorry, Kollegen! – um die Rettung von Arbeitsplätzen in Bochum oder Rüsselsheim (hey, ich hatte ein Nokia, als deren Fabrik dichtmachte!).

Es geht mir um ein Stück Automobilkultur. Ich bin mit Opel aufgewachsen. Mein Vater fuhr zuerst einen Kapitän, dann einen Commodore. Meine Mutter fuhr Kadett, Ascona und wieder Kadett, Kadett, Kadett. Ich fuhr nach sechs Wochen Führerschein einen Kadett zu Schrott, der mich beim Überschlag gut beschützte. Und später fuhr ich wieder einen Kadett – mein erstes Cabrio von zwei, ein Henkelkörbchen.

Opel ist für mich aber auch – obwohl schon seit der Weltwirtschaftskrise zu General Motors gehörend – ein Stück Autodeutschland, als Statussymbol immer mit dabei beim Aufbau der westlichen Republik. Ich habe als Kind überall die weißgelben Leuchtschilder der Werkstätten gesehen – und als katholischem Kind ist mir die Gleichheit der Farbgebung mit der der vatikanischen Flagge durchaus aufgefallen. Ein Schulfreund meines Vaters hatte eine Opelwerkstatt und versorgte mich mit Opel-Kalendern (keine spärlich bekleideten Frauen auf den Kühlerhauben!).  Und insgeheim freute ich mich immer, wenn einer der Erwachsenen ein Taxi (damals noch schwarz!) bestellte und eben kein Mercedes angedieselt kam, sondern ein Rekord oder Kapitän.

An den ewigen Duells um Capri oder Manta, GTI oder GT/E habe ich mich nicht beteiligt. Einen Manta oder Calibra habe ich im Leben nicht von innen gesehen. Aber schade fände ich es doch, wenn die Marke mit dem Blitz im Ring verschwände. Sehr schade.

Update am Morgen danach: Und schon erwischt es Saab, eine andere GM-Abteilung. Auch den Saab in meinem Leben (Saab 90, entstanden vor dem GM-Einstieg) habe ich gerne gefahren.

Update 2, etwas später:

Nearly 20 years ago GM acquired Saab, a successful car company with a cult following of yuppies and professors. Now that Saab has been run into the ground along with all the other GM properties, the Swedish automaker has been cut loose and has filed for bankruptcy. That’s no way to treat a Swede.

[wonkette.com]