Austritt

Vorbemerkung: Ich lese den Schockwellenreiter täglich, ich betrachte den Mann dahinter als meinen Freund (auch wenn wir uns sträflich selten sehen dafür, dass wir in der selben Stadt leben), aber welcher Partei Jörg Kantel nahesteht, ist mir vergleichsweise wurscht. Und trotzdem…

Jörg K. regt sich auf. Zu Recht, wie ich finde. Und weil er sich sehr aufregt, bittet er darum, folgenden Text weiterzuverbreiten (die Ironie, dass er mit seinem Blog eine ungleich höhere Leserschaft hat als ich mit meinem gerade erst wiederbelebten, ist mir dabei durchaus nicht entgangen):

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat Anfang März eine junge Frau in die Türkei abschieben lassen, die weder Türkin ist noch Türkisch spricht. Nasima El-Zein ist in Berlin aufgewachsen, hat die Realschule abgeschlossen, hat sich ehrenamtlich um ausländische Schulkinder im Berliner Problembezirk Neukölln gekümmert, hat ihnen Deutsch und Rechnen beigebracht. Wer denkt sich den Narrenstreich aus und schiebt ausgerechnet eine solche Frau in ein Land ab, wo sie ein gewalttätiger Vater erwartet, der sie einsperrt und zwangsverheiraten will? Und heute (= gestern – K.K.) berichtet die Berliner Zeitung, daß die abgeschobene Kurdin von der türkischen Polizei massiv unter Druck gesetzt und ihr sogar Gewalt angedroht wird. Ich halte nicht nur das Verhalten der türkischen Behörden, sondern auch das Verhalten des Innensenators für skandalös. Es drängt sich der Verdacht auf, daß â€” weil Polizei und Behörden unfähig sind, mit einer Reihe von wildgewordenen türkisch-libanesischen Familien aus Neukölln und Rudow, der sogenannte »Türsteher-Mafia«, fertigzuwerden — an dieser jungen Frau ein Exempel statuiert werden soll. Schicken wir einen Sündenbock, der angepaßt ist und sich nicht wehren kann, in die Türkei zurück, um die öffentliche Meinung zu beruhigen. Der Griff ins Klo Dieses Verhalten von Herrn Körting und seiner Behörde ist nicht nur ungeheuerlich, sondern verstößt gegen die Grundsätze der SPD und die Menschenrechte. Erst einmal verleihe ich ihm für diesen Griff ins Klo die entsprechende Schüssel (feinstes Porzellan, weiß, ca. 40 cm, Anfang des 21. Jhdts.). Er hat sie sich mehr als verdient. Zweitens werde ich (über meine zuständige Abteilung) ein Parteiausschlußverfahren gegen Herrn Körting beantragen. Und drittens werde ich, wenn die junge Frau nicht spätestens Ende Mai 2007 wieder in Berlin ist, mein Parteibuch, das über 35 Jahre Mitgliedschaft in der SPD dokumentiert, »öffentlich« verbrennen (d.h. es wird ein Video davon hier auf diesen Seiten geben) und fordere alle Noch-Genossen auf, dies ebenfalls zu tun.

Mal sehen, was der Mai in dieser Sache noch so bringt. Und mal sehen, wie sich die Weiterverbreitung dieses Textes im Netz und außerhalb auswirkt.