Aus meiner Mehlbocks

Dass ich ein Freund der automatisierten Mail-Abwicklung bin, weiss jeder, der eine Mail an „Undisclosed recipient <konstantin@worldwideklein.com>“ (kein mailto:-Link hier, weil der den Undisclosed recipient killen würde, und um den geht es hier) geschickt hat. Aber dass United Airlines mich in einer Werbemail für ihr Vielfliegerprogramm als „Dear Mr. Sample“ ansprechen, geht, finde ich, ein bisschen zu weit.

Wer o.g. Mailadresse jetzt ausprobieren möchte, wird mit The Bat! Bekanntschaft machen, einem kleinen, feinen Mailprogramm, das ich auf der Suche nach einem scriptsicheren (Hallo, Microsoft!) und zuverlässigen (Hallo, Netscape!) Mail-Client gefunden habe.

The Bat! ist ein Produkt irgendwo aus dem osteuropäischen Raum (Transsylvanien? Da kam mein Grossvater her!), ist fast schon unheimlich (aha!) konfigurierbar, deshalb auch ein bisschen schwieriger zu bedienen als die gängigen Produkte, und hat einige Eigenschaften, bei denen man sich zuerst fragt: Bug or feature?

Es stellt sich heraus: Es ist ein Feature, wenn The Bat! PGP-verschlüsselte Mail nicht etwa (anders als Outlook/Netscape etc.) einfach entschlüsselt, sondern erst eine Kopie der Mail macht, diese dann entschlüsselt und das Original verschlüsselt in der In-Box belässt. So lässt sich die entschlüsselte Kopie löschen und (mit PGP) ganz von der Platte putzen, während das verschlüsselte Original verfügbar bleibt – unzugänglich für neugierige Augen.

Es ist ebenfalls ein Feature, kein Bug, wenn The Bat! Bilder in HTML-formatierten Mails (Newsletters beispielweise) manchmal nicht anzeigt. Denn…

Denn. Vielen Usern dürfte nicht klar sein, dass die bunten Bilder in derartigen Newsletters nicht etwa Teil der Mail sind, sondern erst beim Öffnen der Mail von einem Webserver abgerufen und geladen werden. Und das ist nun wiederum ein Super-Instrument der Erfolgskontrolle einer solchen Mail. Denn es ist nicht besonders schwierig, in einer HTML-Massenmail dafür zu sorgen, dass jeder Link zu einem Bild mit der Identität des einzelnen Empfängers der Mail ausgestattet wird. Und dann muss der Absender nur noch die Logfiles seines Bilderservers auswerten, um zu wissen, wer die Mail tatsächlich gelesen hat.

Aus der Serie „Sätze, aus dem Zusammenhang gerissen“:

Vielleicht wäre Che Guevara auch nicht zum derartigen Posterschwarm linker Jungmädels und -jungs geworden, wenn er sich beim Picheln fotografieren hätte lassen.

Statt das Vorbild für das bekannte, geniale Heroenposter abzugeben, that is.