Auf tote Pferde einschlagen

Es müssen die politische Frühlingsgefühle sein, die mich schon wieder umtreiben. Oder es sind die mehr oder weniger zuständigen, eher weniger als mehr kompetenten Politiker und (in der Öffentlichkeit vor allem) Politikerinnen, die um diese Jahreszeit das Internet als rechtsfreien Raum neu entdecken und mit erfundenen oder missinterpretierten Zahlen versuchen, untaugliche Mittel zum Kampf gegen Kinderp****grafie und für ein kontrollierbares Internet zu propagieren.

Letztes Jahr war es Zensursula, dieses Jahr ist es also Censilia, aka. Cecilia Malmström, die lieber sperren als löschen möchte, weil man ja in Schurkenstaaten wie den USA usw…

Ich werde doch nicht die kostbaren schwarzen Pixel meiner treuen Leser verschwenden, um den Unsinn nachzubeten, den Frau Malmström aus Unkenntnis, auch der Geschichte des Zugangserschwerungsgesetzes, aber vor allem der Materie an sich derzeit von sich gibt. Weiß ja sowieso jeder darüber Bescheid.

Und doch – um auf den ersten Satz zurückzukommen – lässt mir die Sache keine Ruhe. Im letzten Jahr fand ich mich dank der Bundesministerin für Familie und Internetzensur plötzlich auf der Straße wieder, demonstrierend, und schließlich – wir leben in einer von Parteien dominierten parlamentarischen Demokratie – in einigen wenigen Veranstaltungen sowie in der Mitgliedskartei der Piratenpartei.

Auch wenn die Piraten es selbst nicht glauben wollen oder fassen können: Ich will mit ihnen bis zum Beweis des Gegenteils nichts mehr zu tun haben. Die Gründe sind bekannt – seltsame Äußerungen eines Bundesmedienpiraten, ein, sagen wir, sehr sehr tolerantes (man könnte auch sagen: gefährlich unpolitisches) Verhältnis zu Mitmenschen aus dem rechten Meinungsspektrum, eine mitunter autistisch anmutende Diskussionskultur – wissen wir alles. Da helfen auch die anerkannten Pluspunkte (hohe Sach- und Fachkompetenz, bewundernswerte Begeisterungsfähigkeit) nicht weiter. Jedenfalls mir nicht.

Um aber zum letzten Mal auf den ersten Satz zurückzukommen: es treibt mich um. Ich suche eine Heimat für das innere zoon politikon (hö, hö!), und vielleicht hätte ich eben doch Zeit freimachen (wie denn?) und zur rp10 in den Friedrichstadtpalast gehen sollen, um dem zoon zu helfen.

Habe ich aber nicht (können), und ich weiß auch immer noch nicht, ob die üblichen Verdächtigen mir in dieser Sache diesmal hätten helfen und mir die SPD, um nur ein zufälliges Beispiel zu nennen, als neue Partei für Informations- und Netzkompetenz hätte schmackhaft machen können.

Ich habe auch nach wie vor den Eindruck, dass das mit Parteien nicht wirklich hinhaut – lasse mich aber gerne eines besseren belehren. Oder sollte ich einen der bestehenden Arbeitskreise aufsuchen und dort ansetzen? Oder ist es doch Zeit für eine Neugründung der Netzkompetenten mit allgemeinem Politikbewusstsein?

Ich weiß, dass ich hier auf einem schon sehr toten Pferd herumschlage; aber vielleicht ergibt sich doch, z.B. in den Kommentaren (Anmeldung möglich z.B. mit OpenID, aber nicht erforderlich), der eine oder andere neue Aspekt. Weil Frühling ist und so.