Androiden modden

CyanogenMod auf dem Nexus OneEin Freund (ein guter Froind, das ist das Beste was es gibtaufderwelt, hoppsasa – äh, wo war ich?) hatte mich gebeten, aus Gründen™ sein Zweit- oder Dritthandy, einen Sparandroiden aus koreanischer Produktion etwas aufzumotzen. Darin inbegriffen war einerseits das Befreien von der Providerknechtschaft, andererseits das Aufbügeln eines Custom-Androiden zum Rumspielen und weiterbasteln.

Um die Sache kurz zu halten: Es wurde eine Sache von 24 Stunden (OK, Schlafen, Essen und ein längerer Spaziergang inklusive).

Los ging die Sache gestern abend, ungefähr um die gleiche Zeit, also knapp vor Mitternacht, am Mac des Freundes, der schon eine Reihe Browser-Tabs offen hatte mit Anleitungen, die er in diversen Foren zusammengesucht hatte. Das Problem mit solchen Anleitungen: Sie sind von, sagen wir, unterschiedlicher Qualität, und sie beziehen sich nahezu ausschließlich auf die Arbeit mit Windows-Rechnern.

Die Mehrheit mit den Windows-Rechnern mag damit zurecht kommen – auch wenn die Diskussionen in den Foren oft das Gegenteil bezeugen. Für uns am Mac waren die Tipps weniger sinnvoll, und die plattformunabhängigen Tipps sorgten dafür, dass wir nach einer halben Stunde das Handy zum Briefbeschwerer gemacht hatten.

Es folgt jetzt keine Schritt-für-Schritt-Beschreibung, wie das Aufbügeln eines Custom ROM am Mac (oder auch einer Linux-Büchse) geht; jedes Modell ist ein Einzelfall, ohne Recherche geht nichts und was wär das Leben ohne ein gewisses Risiko? (U. Roski)

Allen Installationen von CyanogenMods, dem offenbar populärsten Custom ROM für Androiden, ist aber gemeinsam, dass man

  • zuerst den Bootloader des Gerätes un-locken muss (die Anleitungen gibt es entweder im CyanogenMod-Wiki oder sonstwo – wofür gibt es schließlich Google? Für einzelne Geräte wie das Nexus One, an dem ich die Operation dann übte, bevor ich mich wieder an das kaputte Dings machte, gibt es sogar Schritt-für-Schritt-Anleitungen in dem Wiki.),
  • dann das für Gerät und Android-Version passende CyanogenMod-Bild (als ZIP-Datei) herunterlädt und auf die SD-Karte des Handys verschiebt (das hatten wir schon)
  • und schließlich ein angepasstes Recovery-System auf das Handy bügeln muss, das dann nach einem Reboot in dieses Recovery-System die Installation „unabhängiger“ Android-Systeme erlaubt.
  • Wer dann noch gerne den Google-Playstore auf dem Handy hätte, sollte sich zusätzlich noch die Google Apps herunterladen und auf die SD-Karte packen.

Und dabei ist uns auf der Kommandozeile des Handies (!) irgendwas schiefgelaufen. Ja, wir haben in einer Terminal-Emulation herumgetippt, und das Ergebnis war ein zerschossenes System, das in den sogenannten „Fastboot“-Modus bootete und dann nichts mehr tat.

Und wir hatten keine Tools für den Mac und nur mehr oder weniger klare Beschreibungen aus der Sicht von Windows-Nutzern.

Nach einer Nacht unruhigen Schlafes (ui, ein Genitiv!) tat ich, was ich gleich hätte tun sollen, und lud mir ein Android SDK, ein Software Developer Kit auf den Linux-Laptop (gibt’s aber auch für alle anderen PC-Betriebssysteme). Der Download enthält nur ein paar essentielle Tools; wer wirklich für Android Software entwickeln will, braucht noch pfundweise Plugins, versions- und gerätespezifische Dateien und sonst noch was. Ich wollte und will aber gar nicht Android-Apps schreiben, sondern nur ein zerschossenes Handy wieder reparieren und, wenn’s geht, ein wenig tunen. Dazu brauchte ich im Grunde nur den fastboot-Befehl aus dem SDK (wir erinnern uns: in den fastboot-Modus hatte das Handy noch gebootet).

Zerschossen hatte ich das Handy beim danebengegangenen Installieren des Recovery-Systems. Das gerätetypische Recovery-Image hatte ich schon, das geschrottete Handy war in dem sehr statischen fastboot-Status hängengeblieben und jetzt per USB-Kabel mit dem Linux-Laptop verbunden, und mit

$ ./fastboot flash recovery /pfad/zum/recovery.img
$ ./fastboot reboot

reparierte ich das Recovery-System und landete nach dem Reboot genau dort. Dort hangelt man sich schließlich etwas mühsam mit der Lautstärke-Wippe des Gerätes zunächst zu dem Menupunkt Wipe > Wipe All Data/Factory Reset und dann weiter zum Menupunkt Flash zip from sdcard mit anschließender Auswahl der passenden ZIP-Dateien: Custom ROM und Google Apps. Dann ein reboot, und voilà! Ein funktionsfähiges Handy mit angepasstem Custom-Android (siehe Bild).

Das ganze war eine sportliche Herausforderung – und insoweit risikolos, als dass beide Handies, das Nexus und der Koreaner, längst jenseits der Garantiefrist sind. Denn dass der Mensch selbst schuld ist, wenn er Dinge treibt, die er eigentlich nicht treiben darf, und ggf. auf einem Briefbeschwerer aus koreanischer Produktion sitzen bleibt, versteht sich von selbst.

tl;dr – Bei allem guten Willen: Was in Foren steht, hilft nicht immer weiter. Mit dem hauseigenen SDK dagegen lässt sich Android schnell, sicher und plattformübergreifend manipulieren. Auf eigene Gefahr natürlich, denn die Garantie für ein aufgemotztes Gerät ist im Eimer.

6 Gedanken zu „Androiden modden“

  1. Im Idealfall ein aktuelleres Android mit mehr Einstellmöglichkeiten, Zugang zum Spieleladen, bei Cyanogenmod noch nen Equalizer für Lautsprecher und Kopfhörer, Wipe-Bedienung für Mediaplayer etc. Das Problem ist wirklich, dass es kein Plug-and-Play-Kram für Mäuseschubser ist.

  2. Ich hatte mich vor nem Weilchen auch mal damit beschäftigt bin aber schon daran gescheitert, dass es für mein Xperia nicht den richtigen Mod gab. Die aktuelle Besitzerin scheint aber nichts großartiges zu vermissen.

    • Das ist schon richtig: Wenn der Mensch nichts vermisst, muss er auch nicht basteln. Aber es gibt ja vom Hersteller angepasste Androiden, wo der Mensch sich schon fragt, was die sich wohl dabei gedacht haben. In dem Fall bügelt man gerne einen vom Hersteller unabhängigen Androiden drauf.

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