Anarchy! Vielleicht…

Enigma: Operational Rotors
Enigma

(Photo: Ryan SommaCC-Lizenz)

22 Jahre alt, mindestens (so genau wusste der Autor selbst es schon im Jahr 1992 nicht mehr), ist das Crypto Anarchist Manifesto von Timothy C. May. Und ich kann mir nicht helfen: Von ein paar technischen Referenzen abgesehen, scheint mir dieses Plädoyer für (unsere!) Datensouveränität heute mindestens so aktuell zu sein wie in den achtziger Jahren. Helge Fahrnberger aus Wien scheint es ähnlich zu sehen, und er hat das Manifest, leicht gekürzt, ins Deutsche übersetzt. Um wenigstens die Netzgeneration damit zu erreichen, die 1988 noch in die Windeln geschissen hat nicht online war.

Sätze wie 

A specter is haunting the modern world, the specter of crypto anarchy.

oder

Arise, you have nothing to lose but your barbed wire fences!

sind aber auch ohne erweiterte Englischkenntnisse zu verstehen (falls nicht: specter), und es ist nicht zu verstehen, warum auch im 21. Jahrhundert die vernetzte Menschheit den Nutzen von persönlicher Kryptografie (sprich: verschlüsselter Kommunikation und Datenspeicherung) geringer schätzt als, beispielsweise, den Persönlichkeitsschutz von Häusern. Und den E-Brief und die De-Mail möglicherweise tatsächlich als 1. neuartig und 2. sicher ansieht (Hinweis der Redaktion: Sie sind beides nicht!).
Ich habe mal nachgesehen: Meinen ersten PGP-Schlüssel habe ich 1999 erzeugt. Das ist jetzt elf Jahre her. Ungefähr genauso viele verschlüsselter Mail-Konversationen, also plusminus elf, habe ich seitdem geführt. Nicht, weil mir die Verschlüsselung von Email zu anstrengend wäre, aber offenbar allen anderen. (Mein aktueller öffentlicher GnuPG-Schlüssel findet sich übrigens hier.)
Ende der Predigt. Wahrscheinlich ist Datensicherheit im 21. Jahrhundert kein Wert an sich mehr, sondern nur ein Instrument zur Durchsetzung von diesem und jenem. Sagt ein bekennender Google-Kunde, ein resignierter.