Thinking outside the Google

Einen sehr ähnlichen Beitrag hatte ich schon vor zwei oder drei Jahren geschrieben. Die Einträge aus dieser Zeit sind aber weg, einem Frühjahrsputz vor einem Jahr zum Opfer gefallen. Also nochmal:

Nein, ich bilde mir nicht ein, dass ein einzelner Kunde mehr oder weniger einen Milliardenkonzern auch nur einen feuchten Furz interessiert. Und nein, es geht auch nicht darum, besagten Milliardenkonzern für eine einzelne Entscheidung, und sei sie noch so doof, abzustrafen. Es ist nur so: Wir alle wissen – oder sollten wissen – dass wir im Umsonst-Biotop Internet unter anderem mit persönlichen Daten bezahlen, und dass, je mehr dieser Daten jemand miteinander verknüpfen kann, desto genauer das Bild ist, das dieser Jemand vom Kunden Kafka Klein (um nur einen Namen zu nennen, der mir gerade durch den Kopf ging) hat.

So schön, wie also Dienste aus einer Hand zusammenspielen – und das gilt nicht nur für Google-Dienste, sondern auch für solche der Firmen Apple, Microsoft und vieler anderer -, so einfach ist es, alle Dienste aus einer Hand zu beziehen, weil sie z.B. auf dem eigenen Smartphone vorinstalliert sind.

Nee, mach ich nicht. Und weil ich – gezwungenermaßen – auf der Suche nach einer Alternative zum Google Reader bin (wir erinnern uns: am 1. Juli ist Schluß!) -, kann ich meine schon jetzt genutzten Alternativen zu Google auch mal auflisten. Zur gefälligen Kenntnisnahme, Nachahmung oder auch nicht.

  • Meinen GMail-Account habe ich noch. Natürlich, weil ich ihn als Zugang zum Google Play Store benötige, weil ich ihn schon seit 2005 habe, und weil ich längst vergessen habe, wer mich unter dieser Adresse vermutet und zu erreichen versucht. Sämtliche Mail an diesen Account wird jedoch weitergeleitet an meine „echte“ Mailbox, die sich bis vor kurzem bei FastMail befand, einem kleinen, aber feinen australischen Mailanbieter, dessen Webmail-Dienst alles bietet, was die Großen bieten, und noch einiges mehr. Trotzdem – und da hat der Pfennigfuchser in mir entschieden, obwohl FastMail wirklich nicht teuer ist – habe ich meine Mail-Aktivitäten zu – of all places!GMX verlagert. Weil ich neben der Mail noch eine Telefon-Nummer brauche, die nicht die des Telefons auf meinem Schreibtisch ist, und eine Fax-Nummer, weil ich zwar keine Faxe mehr schicke, aber damit rechne, doch noch mal eins zu bekommen, und einen WebDAV-Ordner, weil ich Dropbox für viele Zwecke für geeignet halte, aber nicht für alle, und weil ich das alles bei GMX für wenig Geld im Monat bekomme. Außerdem hält mich die GMX-Werbung immer auf dem Laufenden über die neuesten Entwicklungen auf dem Abnehm-, Fremdgeh- und Partnersuch-Markt. Ist ja auch was wert.
  • Meine Google-Suche habe ich in jedem Browser, in dem ich Erweiterungen installieren darf, durch DuckDuckGo ersetzt; zusätzlich habe ich die DuckDuckGo-App auf Telefon und Tablet. DuckDuckGo ist eine Metasuchmaschine, bietet also Suchergebnisse aus mehreren Quellen an, die man per Tag auch direkt ansteuern kann; die Eingabe „!w metasuchmaschine“ brachte mich direkt zum gerade verlinkten Artikel. Viel interessanter finde ich jedoch, dass DuckDuckGo großen Wert auf Diskretion legt, Suchen an Google auf Wunsch anonym weiterleitet, selbst das Nutzerverhalten nicht trackt, und auch sonst eine Menge lustiger Dinge anbietet, die das Herz des Nerds erfreuen.
  • Google Docs bearbeite und lagere ich weiterhin bei Google Docs Drive, wie es ja jetzt heißt. Weil ich so daran gewöhnt bin und darüber hinaus noch keine sinnvolle Alternative im Netz gefunden habe, die nicht auf Flash oder gar Java angewiesen ist.
  • Meinen Kalender führe ich ebenfalls weiter bei Google, weil ich noch keinen brauchbaren Online-Kalender gefunden habe, der auch mit meinem Telefon und meinem Tablet spielen möchte.
  • Google+? Nun ja. Irgendwie werden wir nicht warm miteinander. Einstweilen findet man mich eben bei Facebook, wie alle anderen auch.
  • Picasa, oder wie der Bilderdienst von Google gerade heißt, hat noch Fotos von mir rumliegen. Ich freue mich, dass ich noch einen Flickr-Account habe, doch wer da hinguckt, wird feststellen, dass ich eigentlich keine Photos mehr hochlade. Außer manchmal zu Facebook. Shame on me.
  • Meine To-Do-Liste (ja, auch das ist ein, wenn auch gut verstecktes Google-Angebot, heißt „Google Tasks“ und ist irgendwo auf der GMail-Seite zu finden, ich glaube, unter dem Adressbuch) hatte ich auch mal bei Google, habe ich aber schon lange bei TeuxDeux und werde das wohl, trotz der plötzlichen Entdeckung des Geldverdienenmüssens durch TeuxDeux, weiter so halten.
  • Google Maps – doch, ja. Schon allein wegen der wunderhübschen Billig-Navigation in meinem Android-Henndie. Außerdem ist „Bing Maps“ ein alberner Name. Was aber auch egal ist, siehe DuckDuckGo. Oder die Piratenpartei.

Habe ich noch einen Google-Dienst vergessen, den ich regelmäßig nutze? Nein. Mein Browser ist kein Dienst, sondern Google Chrome, den ich vor allem wegen seiner Webkit-Haltigkeit gerne nutze (auf dem Handy hat allerdings seit dem Verrat an der eigenen Seele Wechsel zu Webkit Opera den Google-Browser verdrängt). Und Android ist kein Dienst, sondern ein Betriebssystem, zu dem ich zwar Alternativen sehe, aber mein Luxusphon ist noch kein Jahr alt und muss deshalb noch eine Zeitlang durchhalten.

Bekenntnisse eines Teilzeit-Google-Abtrünnigen eben.

Update, keine halbe Stunde später: Und weil Google natürlich auch hier mitliest, lässt es mit Keep einen neuen Dienst auf die Menschheit los, den ich jetzt erst mal testen muss (brauche ich das wirklich?), um dann nach einer Alternative zu suchen (brauche ich das wirklich von Google?). So wird es nie langweilig in diesem Netz hier.

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