Berichterstattung ist Glückssache

Wer nichts mehr über die Vergabe der Presseplätze im Strafprozeß gegen Beate Zsch. lesen will, darf gerne weiterschalten. Allen anderen sei gesagt, was @publictorsten sagt:

Ein bekannter Chefredakteur einer bekannten Zeitung aus Süddeutschland, die beim Losen keinen Presseplatz abgekriegt hat, regt sich in bekannter Weise über das Ergebnis des Losverfahrens zur Verteilung der 50 Presseplätze auf (und wird hier weder verlinkt noch wörtlich zitiert, weil auch sein Verlag das sogenannte Leistungsschutzrecht haben wollte – URL ist dem Autor jedoch bekannt). Und wenn wir noch auf dem gleichen guten Fuße wären wie damals, als wir zusammen Journalismus lernten, würde ich ihm sagen, dass ich seine Empörung über das Verfahren noch viel echter fände, wenn er sie schon vor der Verlosung geäußert hätte, als auch sein Blatt noch eine Chance auf einen Platz hatte. Aber egal.

Was mich viel mehr interessiert: Was hat eigentlich die Verantwortlichen einer ebenso bekannten Frauenzeitschrift aus Hamburg geritten, sich um einen Platz zu bewerben? Weil die Angeklagte eine Frau ist (und die ihr zur Last gelegten Morde daher unter einem frauenspezifischen Gesichtspunkt zu betrachten wären)? Warum, bittesehr, hat sich dann nicht auch die Redaktion von Camping, Cars & Caravaning um ein Ticket bemüht – schließlich haben bei den zur Verhandlung stehenden Abläufen auch Wohnmobile eine gewisse Rolle gespielt? Oder – hat Camping & Co. etwa, und hatte nur genausowenig Glück wie besagte Zeitung aus Süddeutschland?

Natürlich: Die Verlosung ist – im Sinne der journalistischen Wahrheitsfindung (was immer das sein mag) – eine Farce. Aber dass das nur die erkennen, die beim Losen kein Glück hatten, und sich erst jetzt, da sie wissen, dass sie kein Glück hatten, darüber umso lauter aufregen – das ist leider auch eine.

2 Gedanken zu „Berichterstattung ist Glückssache“

  1. Ich verstehe die „Empörung“ darüber das z.B. „wichtige“ Zeitungen nicht dabei sind ünerhaupt nicht … gestern meine ich einen O-Ton aus der Süddeutschen Vorstandsetage gehört zu haben das nun „1,5 Mio Leser aussen vor bleiben“ … ja und?
    Jeden Tag liest eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung nicht was in der Süddeutschen steht. Nachrichten sind halt keine Ware die man alleine hat. Und wie so ein Gerichtsprozess abläuft und was erwartet wird lässt sich bei jedem Amtsgericht in Hintertupfingen erfahren und beobachten.
    Das Urteil und die Verhandlung ist Öffentlich. Sogar bei der Süddeutschen sollte man wissen was das für sie bedeutet. Das Urteil wird im Namen des Volkes gesprochen, nicht im Namen der Verlage.

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