Abschied von GMail

Während immer noch zahllose Männer auf der Suche nach dem G-Spot sind („It’s a myth!“ – George Costanza), nutzen die Geeks unter uns gerne GMail (in Deutschland Googlemail), den Maildienst von den Googlehupfen in Kalifornien. Die Pluspunkte sind aus der Literatur bekannt: unermesslicher Speicherplatz (nun ja, 2,7 GB, aber immerhin!), Googles Suchpower statt langwieriger Ordnerverwaltung, innovative AJAX-Oberfläche, hervorragender Spamfilter etc. Auch über die Nachteile waren wir uns einig: Eine Maschine liest und indiziert unsere Mail. Der Datenschutz liegt in den Händen von Menschen, die uns zwar versprechen, nichts böses tun zu wollen, uns aber auch nichts schuldig sind. Und – aber das mag nicht jeden so stören wie mich – GoogleMail ist Webmail oder POP-Mail, unterstützt aber mein Lieblings-Mailprotokoll IMAP nicht.

Und trotzdem habe ich GMail jetzt ein halbes Jahr exzessiv getestet. Mein gesamter Mailverkehr, auch der meiner eigenen Domains, lief über GMail. Ich hatte Mail-Zugriff durch die Mail-Clients zuhause, konnte so auch ein wenig mehr Sicherheit in meine Mailbox bringen. Ich konnte von unterwegs über das wirklich fabelhafte Web-Interface auf meine Mail zugreifen. Ich freute mich über die erstaunliche Zuverlässigkeit des Google-Spamfilters – und mein ungeordnetes und doch nützliches Archiv wuchs und wuchs – auf ca. 150 MB, also weit von den 2,7 GB entfernt, die Google mir bietet.

Jetzt ist aber Schluß damit. Datenschutz-Bedenkenträger hätten es mir gleich sagen können: ich fühle mich nicht sonderlich wohl bei dem Gedanken, dass meine Mail irgendwo auf der anderen Seite der Welt gesammelt und indiziert wird. Nicht, dass ein Maildienst in Europa oder die Mailfunktion des gemieteten Servers sehr viel sicherer wären – aber dort werden die Daten nur gespeichert, nicht auch noch verarbeitet. Das hat mir sechs Monate lang virtuelles Bauchgrummeln verursacht, das ich mit der Freude über das Web-Interface zu kompensieren versuchte. Jetzt ist das Grummeln zu laut geworden, und ich erledige meine Post wieder selbst. Ich bin selbst verantwortlich für das, was mit meiner Post passiert, habe vielleicht (nein, ziemlich sicher) weniger Ahnung von der Administration eines Mailservers als die Menschen bei Google, gebe mir selbst dafür aber bereitwillig Auskunft. Ich filtere meinen Spam derzeit lokal – und komme damit auch zurecht (und andernfalls kann ich immer noch Spamassassin auf dem Server installieren). Und ich stelle mir selbst IMAP zur Verfügung, habe also auf Desk- und Laptop wie im Web immer die selben Mails in den selben Postfächern zur Verfügung – ohne langwieriges Kopieren oder Synchronisieren. Die Mailfunktionen eines Hosting-Providers oder Server-Vermieters sind vielleicht längst nicht so sexy wie GMail – aber bitte: Was an Email ist denn wirklich sexy?

Danke für den Versuch – und damit zurück zum ausgedruckten Programm.