Google kriegt kalte Füße

Es wäre interessant, zu wissen, in wie vielen Konferenzräumen dieser Welt jetzt Schadensbegrenzung betrieben wird – nach den Veröffentlichungen von Guardian und WashPost, das PRISM-Programm zur umfassenden Datenerfassung von so ziemlich allem betreffend.

Die des derzeitigen Chefs des US-amerikanischen Überwachungsstaates, Barack “der Gute” Obama, sah bisher eher mittelschwach aus. Die – übrigens durch nichts bewiesene – Behauptung, US-Bürger und Menschen, die in den USA lebten, seien von PRISM nicht betroffen, kann die überwiegende Mehrheit der Netznutzer dieses Planeten nur schwer beruhigen; der Hinweis, der Kongress hätte alles rechtlich unterfüttert und abgesichert, kann angesichts dessen, was der gleiche Kongress sonst gerne – und oft aus parteipolitischen oder gegen B. Obama gerichteten Gründen – so anstellt, nur als Witz angesehen werden.

Dann: Wie sicher sind die Daten, ob nun rechtmäßig oder nicht, mit Hilfe von Google & Co. zur NSA gelangt oder nicht, denn nun vor weiterem, definitiv unsauberem Zugriff? Bei diesem Supergeheimdienst, der es offensichtlich nicht einmal schafft, brisante, wenn auch hässliche PowerPoint-Präsentationen für sich zu behalten?

Interessant aber vor allem die Reaktionen derjenigen, die laut der PRISM-Unterlagen so bereitwillig mitspielen beim lustigen Datenschaufeln. Die ersten Dementis (“Nein, es gibt ja gar keinen direkten Zugriff auf unsere Server”) waren erkennbar von Anwälten konzipiert und wurden auch gleich genüsslich zerlegt.

Weshalb David Drummond, Chief Legal Officer bei Google, jetzt deutlicher wird:

We cannot say this more clearly — the government does not have access to Google servers — not directly, or via a back door, or a so-called drop box. Nor have we received blanket orders of the kind being discussed in the media. It is quite wrong to insinuate otherwise. We provide user data to governments only in accordance with the law. Our legal team reviews each and every request, and frequently pushes back when requests are overly broad or don’t follow the correct process.

Aha. Das wäre dann – wenn es stimmt – der Stand der Dinge pre-PRISM: Google gibt Daten nur im Einzelfall und nach Prüfung heraus. Immer noch nicht wirklich erfreulich, aber daran hatten wir uns schon gewöhnt.

Es ist wohl so, dass – die sind ja nicht doof da – bei Google die Einsicht eingesetzt hat, dass weitverbreitetes Misstrauen der Kunden ihrem Diensteanbieter gegenüber dem Geschäftsmodell von Google mehr schaden kann als alles andere. Was auch einen Chief Legal Officer schon mal etwas mutiger in der Wortwahl werden lässt.

Wie immer bei Geschichten, in die Geheimdienste verwickelt sind, gilt auch hier: Die Wahrheit werden wir, wenn überhaupt, erst sehr viel später erfahren. Und privat war gestern – aber das sagte ich ja schon.

Auf Facebook teilen +1 Auf Twitter teilen

Autor: Konstantin Klein

Journalist, net citizen. Survived life, so far. That's about it.